Kino

Golden Twenties

Ava ist wieder da. Sie war weg zum Studieren, nun ist sie nach Berlin zurückgekehrt, und vorerst ist es praktisch, wieder zur Mutter zu ziehen. Ihr Zimmer gleicht eher einer Abstellkammer. Egal. Sie hat gerade nicht so viele Alternativen. Sie muss sich erst einmal orientieren. Die Mutter hat einen Freund, der nicht viel älter ist als Ava. Die Tochter dagegen hat mit Männern kein Glück. Das passt irgendwie zu der generellen Stimmung, von der Sophie Kluge in ihrem Film „Golden Twenties“ erzählt: Ava ist kein Teenager mehr, aber so richtig als Erwachsene wird sie auch noch nicht betrachtet.

Golden Twenties
Foto: 2019 Twentieth Century Fox

Sophie Kluge geht nun in ihrem Film mit Ava die Optionen durch: zuerst einmal eine Arbeit, dann einen Freund, zusammenziehen, und dann angeberische Dinnerpartys schmeißen. Wirklich? Ava scheitert ohnehin schon bei Aufgabe eins, und statt einer Vollanstellung gibt es eine Hospitanz am Theater. Damit kommt Ava erst so richtig in Berlin an. Henriette Confurius, die sich seit Dominik Grafs Meisterwerk „Die geliebten Schwestern“ im Kino relativ rar gemacht hat, ist großartig in der Hauptrolle. „Golden Twenties“ fügt sich schön in eine Reihe von prägnanten Zeitfilmen über Berlin: „Jeans“ (2001) von Nicolette Krebitz oder „Oh Boy“ (2012) von Jan Ole Gerster. Der Mainstream-Verleih Fox hat das wohl auch so gesehen und bringt Sophie Kluges Regiedebüt ziemlich groß heraus.

D 2019, 92 Min., R: Sophie Kluge, D: Henriette Confurius, Max Krause, Inga Busch, Franziska Machens, Start: 29.8.