Kino

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

Zum Fest der Heiligen Drei Könige findet in vielen orthodoxen Gemeinden in Osteuropa ein Ritual statt: Ein kleines Holzkreuz wird in ein Gewässer geworfen, wer es fängt, dem ist ein Jahr lang Glück verheißen. Frauen dürfen nicht an dem Ritual teilnehmen, doch 2014, in der mazedonischen Ortschaft Stip, war es eine Frau, die die Tradition brach, das Kreuz fing und damit für einen Skandal sorgte. Diese Anekdote nimmt Teona Strugar Mitevska als Ausgangspunkt für ihren Film „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“.

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya
Foto: Entre Chien et Loup / Vertigo / Spiritus Movens Production / Deuxième Ligne Films / EZ Films / JIP Film

Die Meute junger Männer reagiert erwartet unwirsch, als Petrunija (Zorica Nusheva) sich einer spontanen Eingebung folgend ins Wasser stürzt und das Kreuz fängt. Die Vertreter von Kirche und Staat, die örtliche Polizei, ja selbst ihre Mutter haben wenig Verständnis für die nicht mehr ganz junge Frau, die zwar promovierte Historikerin ist, aber keine Anstellung findet. Klar scheinen die Fronten, die Moral, das Recht verteilt, doch dann beginnt Mitevska das Porträt einer Gesellschaft zu entwickeln, die wesentlich ambivalenter ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Fast ausschließlich in den engen Räumen der örtlichen Polizeistation spielt der Hauptteil des Films, der natürlich die verknöcherten Strukturen, die patriarchalische Tradition beklagt, dabei aber niemals allzu einfach wirkende Positionen vertritt.

Gospod postoi, imeto i’ e Petrunija, MAK/F/B/SLO/CRO 2019, 90 Min., R: Teona Strugar Mitevska, D: Zorica Nusheva, Labina Mitevska, Stefan Vujisic, Start: 14.11.