Kino

Gundermann

Er war Baggerfahrer im Tagebau, Lieb­haber, Kommu­nist, Poet. Gerhard Gundermann (1955-1998) vereinigt ­diverse Widersprüche des real existierenden Sozia­lismus in sich – ein ideales Tableau, um über die DDR zu erzählen.

Zum Glück ist es Andreas Dresen, 1963 in Gera geboren, der sich mit seiner Klugheit und Sensibilität dieser Figur filmisch angenommen hat. Mit der ­Drehbuchautorin Laila Stieler konzentriert sich Dresen auf zwei Phasen in Gundermanns Vita: Ab Mitte der 70er-Jahre, als „Gundi“ als Lieder­macher durchstartet und ­Kontakt zur Stasi bekommt. Und ab Mitte der 90er, als der Publikumszuspruch wächst und seine IM-Tätigkeit aufgedeckt wird. Ein weiteres Bindeglied zwischen den beiden Zeitebenen bildet Gundermanns Beziehung zu Conny, die in den 70ern mit einem Anderen zwei Kinder hat; in den 90ern sind die beiden dann ein Paar.

Gundermann
Gundermann
Foto: Peter Hartwig Pandora Film

So entsteht das eindringliche und vielschichtige Bild einer Persönlichkeit ­voller Widersprüche, eingebettet in eine authentisch wirkende Umgebung. Die Stasi-Geschichte steht im Vordergrund, dennoch nimmt sich der Film die Zeit, Gundermanns Lieder wirken zu lassen. Gesungen werden sie von Alexander Scheer, der grandios den baggerfahrenden Poeten spielt. An seiner Seite brilliert die Südtirolerin Anna Unterberger – und in Nebenrollen Dresen-Weggefährten wie Milan Peschel, Thorsten Merten oder Axel Prahl. Groß und klug.

D 2018, 127 Min., R: Andreas Dresen, D: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl, Start: 23.8.

Gundermann (2018)

Regisseur Andreas Dresen über seinen neuen Film „Gundermann“