RACHE-DRAMA

Gutmenschen­dämmerung

Zukunftsspiel eines zerstörten Europas

Wilde Thesen: Ina Jaich, Alina Rank, Sina Ebell – Foto: M. Luxinger
Wilde Thesen: Ina Jaich, Alina Rank, Sina Ebell – Foto: M. Luxinger
ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

Die Zukunft ist böse, meint mit leicht sardonischem Lächeln Marcel Luxinger. Der Regisseur und begabte Schreiber hat sich gleich von drei Quellen für sein düsteres Zukunftsspiel eines zerstörten Europa inspirieren lassen.

Beim Siegeszug einer zupackenden islamischen Geschäftsfrau, die blutleere europäische Ex-Wohlstandskinder ausbeutet, steht ohne Zweifel Michel Houellebecqs Islamisierungs-Zukunfts­szenario „Die Unterwerfung“ Pate. Luxinger hat den Plot aber auch in die Struktur von Jean Genets Frauenkampfdrama „Die Zofen“ gepackt. Und er bedient sich dazu bei Motiven und Texten zu Europa der zeitgenössischen tunesischen Performancegruppe Yemina. Ein echtes Crossover also.

Und eines mit Provokationspotential. Denn Xot (Alina Rang), einst Bootsflüchtling über das Mittelmeer (nach einem gelungenen Racheakt an einem vergewaltigenden Imam), arbeitet sich in Europa mit viel Hass und ganz ohne Skrupel nach oben und verhöhnt dabei ihre biodeutschen Arbeiterinnen, die die umgedrehten Verhältnisse zumindest in Teilen als späte Kolonialismus-Kompensa­tion anerkennen können. Wilde Thesen, leidenschaftlich gespielt von Alina Rank, Ina Maria Jaich und Sina Ebell. TOM MUSTROPH

6.–8.10., 20 Uhr, Theater unterm Dach, Danziger Str 101, Prenzlauer Berg. Regie: Marcel Luxinger; mit Sina Ebell, Ina Jaich, Alina Rank. Eintritt 12, erm. 5–8 €