Westbams Club-ABC

H wie Bee Hive

Das Bee Hive in Kreuzberg war einer der ersten Läden, die der legendäre Nacht-Impressario Bob Young leitete, damals mit Celal Kurum als Resident DJ. Es war auch einer der ersten Läden Berlins, in denen man  Housemusik hören konnte. House war in den Tagen des  Hives, also um 1987 herum, noch nichts Identitätsstiftendes. Es lief zwischendurch neben Hip-Hop von Eric B & Rakim oder Public Enemy und dem in London „Rare Groove“ getauften Stil, was eine Auswahl alter, rarer Soul-Seven-Inches war. Man tanzte zu Lynn Collins und Edwin Starr und Boogie Down Productions – und plötzlich, nach „Funky Drummer“ von James Brown liefen ohne Vorwarnung ein paar kontrastreiche House-Tracks wie „Washing Machine“ von Fingers Inc oder oder „House Nation“ von  Farley Jackmaster Funk.
Die Leute tanzten einfach weiter, ohne das Sendungsbewusstsein, Teil einer neuen Jugendkultur zu sein. Besonders erinnere ich mich an die i-D Partys, die das Londoner Fashion-Magazin im Bee Hive veranstaltete. Wenn i-D in der Stadt war, brezelte sich die Szene von Göteborg, Lissabon und Glasgow auf, und auch das Berliner Nachtleben war noch klar auf strikter London-Linie und stylte sich mit. Ich bekam eine Großaufnahme mit meiner Original-Russenuniform, heute gibt’s dieselbe am Brandenburger Tor. Man tanzte zum miserabel mixenden Jay Strongman. Doch egal: Es war eine Ära, wo es noch wichtiger war zu wissen, wie der Name auf der Innenseite der Jacken lautete, als der auf dem Label der Maxi Single.

Zeitpunkt des Besuchs: 1987
Ort: Kreuzberg
Typischer Track: Farley Jackmaster Funk – Love Can’t Turn Around

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