METATHEATER

Hamlet

Über weite Strecken ist Christian Weises Inszenierung eher (Live-)Kino. Und doch ist sie eine lustvolle Feier des Theaters

Der Schädel nur eine reine Dienstleistung am Publikum: Svenja Liesau als Hamlet (re.) mit Kenda Hmeidan, Dominic Hartmann und Falilou Seck – Foto: Ute Langkafel / Maifoto

Hamlet crossgender als Frau zu besetzen, ist nicht die orginellste Idee in diesem von Christian Weises in den Container des Gorki Theaters gesetzten Pappkulissen-Filmset-Helsingør (liebevoll schräg von Weises Stammkünstlerin Julia Oschatz gebaut und bemalt). Schließlich spielte schon Angela Winkler ­den Dänenprinzen vor rund 20 Jahren bei Peter Zadek, zum Theatertreffen kommt Sandra Hüller in Johann ­Simons Bochumer Inszenierung. Nun spielt Svenja Liesau die Titelrolle. Völlig anders aber mindestens ebenso fulminant.

Souverän switscht sie zwischen ernsthafter Interpretation der Titelrolle und buschikos sich darin hinterfragender Schauspielerin hin und her, lustvoll die Sinnhaftigkeit ihrer Repräsenta­tion und grundsätzlich die Notwendigkeit einer x-ten „Hamlet“-Inszenierung im Theater an­zweifelnd. Dabei ist die Produktion zu gut Zweidritteln Live-Video, das Bühnenportal wandgroß die Projektionsfläche (Tipp daher: Besser weiter hinten sitzen). Und doch ist es eine einzige Feier des Theaters, der Illusion des Als-ob, der Behauptung mit hier eingebauter Hinterfragung, Metatheater eben, Mimik im Close-up, große Geste, Spiel-im-Spiel, Rhythmus, Verdichtung, Wiederholung, Variation. Es ist für alle Beteiligten eine Lust – am spielen, am schauen, am mit-, nach- und überdenken, am diesem Wahnsinn mit Methode, der Theater heißt.

Ruth Reinecke, seit 40 Jahren am Gorki, nun kurz vor der Rente, darf aus ihrer (letzten) Rolle des hier Marxähnlichen Königsgeists heraustreten und an die Dringlichkeit des Spiels erinnern wie es Thomas Langhoff zu Beginn ihres Gorki-Engagements einforderte: Du musst um dein Leben spielen!

Was für ein Abend! Groß! FRIEDHELM TEICKE

3.+4.3., 20 Uhr, Gorki-Container, Am Festungsgraben 2, Mitte. Regie: Christian Weise; mit Svenja Liesau, Aram Tafreshian, Ruth Reinecke u.a., Eintritt 16, erm. 8 €