KOMÖDIE

Hamlet – Problemprinz aus dem Wedding

Das Prime Time Theater, das im Januar 15 Jahre besteht, ist eher für grobe Kiezkomödien in Folgen bekannt. Nun wagt es sich an Shake­speare, natürlich als Serie.

Oliver Tautorat, Theatergründer und -leiter, sagt zur Idee der geplanten Reihe: „Shakespeare hat eigentlich fürs Volk geschrieben, für Leute, wie sie zu uns kommen. In all seinen Stücken ist die Komik überdeutlich, wir haben die Komödie in ,Hamlet‘ entdeckt.“ Pilotfolge ist gewissermaßen dieser verrückte Weddinger „Hamlet“. Philipp Lang hat den Stoff umgeschrieben, Alexandra Marinescu-Lang zu einem dynamischen Volkstheater inszeniert.

Wedding-Poser: Robert F. Martin als Hamlet – Foto: Prime Time Theater

Hamlet (Robert F. Martin) ist ein infantiler Psychopath, dauernd verspannt, ein Hektiker, der von seinem neuen Vater, dem Usurpator Claudius, ständig kontrolliert wird. Nicht nur, dass er den Mord an seinem Erzeuger (köstlich: Tautorat als auf die Leinwand projizierter Geist) rächen muss, er muss sein Verhältnis zur Mutter klären und zu allem Überfluss auch den Wedding vor der Gentrifizierung retten.

Ein Sprachspiel folgt dem nächsten, feinste Slapstick-Comedy trifft auf Live-­Musik. In ihren besten Momenten erinnert das gar an Peter Zadeks legendäre, verdreht-groteske Shakespeare-Inszenierungen. Fraglos: Hamlet lebt in Wedding. AXEL SCHALK

19.–22.12., 27.–29.12., 20.15 Uhr, Prime Time Theater, Müllerstr. 163, Wedding. Regie: Alexandra Marinescu-Lang; mit Jenny Bins, Philipp Lang, Robert F. Martin, Robert Baum, Armion Sengenberger. Eintritt 21, erm. 16 €, sonntags: 17, erm. 12 €