DRAMA

Hamlet

Das Gefangenenensemble aufBruch erzählt die Mordsgeschichte ohne ­jedes literarische Brimborium

Rachegeschichte: Hier ganz ohne Monologe – Foto: Thomas Aurin

Die erste Shakespeare-Produktion des Gefangenen­theaters aufBruch findet in einer ungemein verdichteten Inszenierung als schauriges Familiendrama statt. Gestützt auf Bernard-Marie Koltès eher unbekannte Fassung „Hamlet, Tag der Morde“, erweitert mit chorisch vorgetragenen Texten aus Heiner Müllers „Hamletmaschine“, wird der Stoff dabei von allem poetischen Monolog-Balast befreit.

Zwei Treppen­podeste im rot-blauem Zwielicht: Unten stehen die Hamlets (die Rolle ist auf drei Darsteller verteilt: Hamza, Mimo und Ali, die Spieler haben im Programmheft nur Vor- bzw. Spitznamen), oben steht die Königsfamilie samt Hofschranzen – ein stimmiges Bild, dass die neuen Machtverhältnisse nach dem Mord an Hamlets Vater symbolisiert. Hamlet gerät im athletischen Boxkampf an Laertes (Batek), Dolche werden gezückt, es endet bekanntlich tödlich.

Statt implodierender Seelen­nöte des Dänenprinzen erlebt der Zuschauer in dieser reduzierten Inszenierung die ­krude, ­kurze Story, in der einer den Mord am ­Vater rächt. Wirkungsvoll verdoppelt wird die Geschichte durch eingeblendete Ausschnitte aus der Verfilmung mit Asta Niel­sen (1921). Und in den stärksten Momenten, etwa wenn plötzlich Schlager gesungen werden, hat diese finstere Familiengeschichte namens „Hamlet“ auch absurde Züge. AXEL SCHALK

5.+7.12., 17.30 Uhr, JSA Berlin, Friedrich-Olbricht-Damm 40, Pforte 3, Charlottenburg. Regie: Peter Atanassow; mit G-kay, Tarum Aktiv, Batek, Fero u.a., Eintritt 15, erm. 10 €