Berliner Museen

Konzeptkünstlerin privat

Hanne Darboven ist als große Konzeptkünstlerin bekannt. Interessant ist Darboven (1941–2009) aber auch als Fall, der über Quellen künstlerischer Kreativität Aufkunft gibt. Darbovens strenges, nüchternes und repetitives Werk aufgeschriebener  Zeichensysteme hat nämlich eine verblüffende Kehrseite. In der von Darboven noch selbst zusammengestellten Korrespondenz mit Kollegen, Kuratoren, Galeristen und der Mutter kommen jetzt im Hamburger Bahnhof Wahlverwandtschaften und Netzwerke zum Vorschein. Zudem eröffnen Postkarten, Briefe, Fotos und Filme Einblicke ins Private.

Hanne Darboven, 2002. Foto: bpk / Angelika Platen

Darboven lebte das glatte Gegenteil ­ihrer Kunst. Das strenge Regime verschriftlichter Konzepte und Zeit­abläufe in ihrer Kunst entstand inmitten eines mit Kitsch und Plunder ausstaffierten Musée Sentimental, in einer über­dimensionierten Spießbürgerlichkeit nach dem unangetasteten Geschmack ihrer Eltern aus der Hamburger Kaffee­röster-Dynastie.
Wo Kunst und Leben sich so getrennt offenbaren wie bei Hanne Darboven, scheint der Bezug beider zueinander nur umso enger. In diesem Sinn liefert die gut gemachte Ausstellung reiches Anschauungsmaterial für Korrespondenzen zwischen Kunst und Leben, Erfolg und Networking, Herkunft und Schicksal. 

Bis 27.8.: Hamburger Bahnhof, Invalidenstr. 50/51, Tiergarten, Di, Mi, Fr 10–18,
Do 10– 20, Sa/So 11–18 Uhr, 8/ erm. 4 €