Kino

Happy End

Eines kann man Michael Haneke nicht unterstellen: dass er eine leichte Hand hat. Braucht er auch nicht, die Talente des ­Regiegenies liegen im Sezieren von gesellschaftlichen Phänomenen, im intensiven Drama. So wirkt es in seinem neuen Film eher irritierend, dass dieses Familien­drama mitunter einen komödiantischen Ansatz zeigt.

Den Patriarchen kennen wir aus ­Hanekes vorherigen Film „Liebe“: George (Jean- Louis Trintignant) ist nach dem Tod ­seiner Frau im wahrsten Sinne des ­Wortes ­lebensmüde.

Seine Tochter Anne (Isabelle Huppert) muss sich mit ihrem ­alles verweigernden Sohn Pierre (Franz ­Rogowski) ­herumärgern; sein Sohn Thomas ­(Mathieu Kassovitz) hat seine 13-jährige Tochter Eve (Fantine Harduin) aus seiner ersten Ehe bei sich aufgenommen, nachdem Eves Mutter gestorben ist. Ihr Verhältnis ist schwierig.

Scheinbar friedlich vereint: der Clan
Foto: HAPPYEND X Verleih AG

Vielleicht liegt es an der Vielzahl der ­Figuren, dass einen der Moralist ­Michael ­Haneke dieses Mal emotional nicht so aufrüttelt wie in den Filmen zuvor. Erneut ­erzählt er von der Unfähigkeit zur Kommunikation und bezieht in diese Kritik auch das Internet mit seiner Pseudo-­Nähe mit ein. „Happy End“ ist hervorragend ­besetzt, raffiniert inszeniert.

Doch das Haneke-Kunststück, durch distanziertes und kühles Erzählen extrem viele Emotionen auszulösen, will hier nicht so recht gelingen.

F 2017, 110 Min., R: Michael Haneke, D: Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz, Franz Rogowski

Happy End (2017)

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