FAMILIENKOMÖDIE

Hase Hase

Die Neuauflage der legendären Schillertheater-Insze­nierung von 1992 am Originalort durch die Theaterfamilie Besson-Thalbach macht Laune

Kathi Thalbach (li.) als Hase Hase und Pierre Besson als Mutter Hase (Mi.) – Foto: Franziska Strauss

Die Hälfte des Ensembles sei krank, unterrichtet Intendant Martin Woelffer die Premierengäste zu Beginn. Gespielt wird trotzdem. Es sind schließlich alles alte Theaterhasen hier, die Künstlerfamilie Besson-Thalbach-Schall-Serreau, und die hat sichtlich einen Riesenspaß an der überdrehten Familien­komödie mit Sozialtouch, mit der sie eine legendäre Erfolgsinszenierung von 1992, damals von Familienoberhaupt Benno Besson, wieder aufleben lässt.

Regie führt diesmal die Autorin Coline Serreau selbst, die ihr sozialromantisches Stück beherzt aktualisiert hat. Und die subversive Anarchie macht immer noch Spaß.

Der Außerirdische Hase (Katharina Thalbach) ist als Nesthäkchen in die herzliche, aber prekäre Familie Hase geraten. Papa (Markus Völlenklee) ist arbeitslos, Sohn Bébert (Philippe Besson) studiert Cyber-Terrorismus statt Medizin, die Wohnküche ist viel zu eng und dann verkriecht sich nicht nur der bei der EU beschäftigt geglaubte Sohn Jeannot (Raphael Dwinger) vor der Staatsgewalt in der Schmutzwäsche. Auch die Töchter Lucie (Anna Thalbach) und Marie (Nellie Thalbach) flüchten vor tumben Gatten zurück auf die mütterliche Matraze, die diese sich aber erst von der Nachbarin (Johanna Schall) borgen muss. Die versteckt ihre Habe sowieso gern vorm angekündigten Gerichtsvollzieher bei der Nachbarschaft.

Katharina Thalbach, immerhin am Tag vor der Premiere 65 geworden, gibt wie schon 1992 mit rotem Haarschopf und reibeisenstimmiger Kodderschnauze überzeugend den Dreikäsehoch vom anderen Stern, eben eine alterslose Volksschauspielerin. Und Pierre Besson, der jetzt die Rolle der resolut und mit großem Herzen ­alles zusammenhaltenden Mama Hase von seiner sie 1992 spielenden Mutter Ursula Karusseit übernommen hat, ist als Damendarstellerin ohne jegliche Travestie eine Wucht. FRIEDHELM TEICKE

31.1.–2.2., 5.–9.2., 12.–16.2., 20 Uhr, 3. + 10.2, 16 Uhr, Komödie im Schiller Theater, Bismarckstr. 110, Charlottenburg. Regie: Coline Serreau; mit mit Katharina Thalbach, Anna Thalbach, Nellie Thalbach, Pierre Besson, Philippe Besson, Markus Völlenklee, Johanna Schall u. a., Eintritt 13–42 €