Kino

Have A Nice Day

In dem Internetcafe Integrity in der Meer-des-Wissens-Straße 19 irgendwo im Süden Chinas sitzt Xiao Zhang und schreibt eine Chat-Nachricht an seine Freundin Yanzi.

Er ­möchte mit ihr nach Korea fahren, dort gibt es gute Schönheitschirurgen, vielleicht kann einer das Desaster verbessern, das Yanzi bei einem früheren kosmetischen Eingriff widerfahren ist.

Ihretwegen hat Xiao Zhang etwas Dummes getan: Er hat dem Patenonkel Liu Geld entwendet. Nun sind eine ganze Menge Leute hinter dieser Tasche her, in der sich eine Million Yuán befinden. Und Xiao Zhang war auch noch so dumm, sich aus dem Chat nicht abzumelden – so kann man ihn leicht bis in das schäbige Hotel Business am Bahnhof verfolgen.
Die Orte in diesem Animationsfilm von Jian Liu haben alle eine exquisit herunter­gekommene Qualität, wie es sich gehört für eine Geschichte, in der niemand so richtig als positive Identifikationsfigur taugt.

Foto: Grandfilm

Das chinesische Kino ist reich an schonungslosen Schilderungen der Schattenseiten des Wirtschaftsbooms. Der Film steht in ­dieser Tradition, wobei durch die besondere Form eines Zeichentrickfilms eine neue Qualität hinzukommt. Denn die klaren Linien und die schönen ­Farben des Films rücken die Figuren gleichsam in ein anderes Licht, sodass die koketten ­Anspielungen auf Kunstgeschichte und Religion prächtig in eine kunsthistorische Gegenwart gehoben werden, die reine Popkultur ist.

„Hao jile“, CHI 2017, 77 Min., R: Jian Lu, Start: 7.2.

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