Kino

Havelland Fontane

Mit „Havelland Fontane“ legt der aus Österreich stammende, lange in Berlin lebende Regisseur Bernhard Sallmann den vierten und abschließenden Teil seiner Reihe mit Filmen vor, die sich mit Theodor Fontanes kulturhistorischen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschäftigen. „Havelland Fontane“ führt in die Landschaft rund um Potsdam, dabei geht es um Themen wie den Zusammenprall der heidnisch-wendischen Kultur mit der christlich-germanischen, den Beginn des Obstanbaus oder den Warenaustausch mit der Hauptstadt.

Die Schauspielerin Judica Albrecht liest dazu aus dem Off Exzerpte aus Fontanes Texten. Sie stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts, lassen sich aber mit ihren Verweisen auf frühere Chroniken als eine Art Jahrhunderte umfassende Geschichtsschreibung des heutigen Großraums Berlin bezeichnen. Die sorgfältig komponierten Bilder, die Sallmann dazu findet, nehmen genau diese Idee wieder auf: Sie versuchen nicht, einfach das moderne Abbild einer historischen Beschreibung zu liefern, sondern evozieren Stimmungen, nähern sich dem Thema assoziativ.

Havelland Fontane
Foto: Krokodil Distribution

Wenn Fontane aus der Geschichte der Werderaner berichtet, sieht man die Insel nur von ferne, den Obstanbau verknüpft Sallmann nicht mit Bildern von blühenden Bäumen, sondern von Spargelfeldern. Das ist das genaue Gegenteil von TV-Dramaturgie und -Ästhetik: Denken muss man hier noch selbst.

D 2019, 109 Min., R: Bernhard Sallmann, Start: 5.12.

https://www.zitty.de/event/kino/havelland-fontane/