Kunst im Netz

Heartfield online: eine Netz-Schau der Akademie

Montagen, die bestens ins Netz passe:n: Die Akademie der Künste hat ihr digitales Angebot zu dem Montage-Künsterler verdoppelt, mit einer neuen Präsentation des sensationellen Bestands – und einigen inhaltlichen Lücken

In der Akademie der Künste hätte es ab 20. März um „Wahrheit“ gehen sollen: John Heartfield, Pionier der Fotomontage, hat es für seine Arbeit einmal so formuliert. Dass die Schau jetzt vorerst online zu sehen ist, trägt sogar zum Thema bei. Denn ursprünglicher Anlass für sie ist die digitale Präsentation der umfangreichen Archivalien zum Künstler auf den Seiten „Kosmos Heartfield“.

(c) Akademie der Künste
Sartseite der Online-Präsentation von John Heartfield auf den Seiten der Akademie der Künste (c) Akademie der Künste


Doch Einiges von Heartfields seinerzeitiger Schnippelei mit Schere und Klebstoff hat sich bereits seit Mai 2018 auf der hervorragend gemachten Seite „Heartfield online“ nachvollziehen lassen. Die Akademie besitzt noch aus Ost-Zeiten einige Tausend Objekte von und zu Heartfield. Er war seit 1918 Mitglied der Kommunistischen Partei, arbeitete in der Weimarer Republik in deren Propaganda-Abteilung und kehrte 1950 aus dem englischen Exil nach Ost-Berlin zurück. Er wurde Mitglied der Akademie und bis zu seinem Tod 1968 mit Ehrungen und Ausstellungen bedacht.


Man kann sich fragen, ob Heartfields Verständnis seiner Fotomontagen als Waffe im Klassenkampf nicht dem Anspruch auf Wahrheit und dem Kunststatus entgegensteht. Akademie-Präsidentin Jeanine Meerapfel möchte es so ausdrücken: „John Heartfield beherrschte die Kunst der Propaganda durch künstlerische Manipulation von Bildmaterial.“ Wichtig war der Akademie das Thema Heartfield aus politischen Gründen: „Der Kampf gegen den Faschismus und der Einsatz für den Frieden waren die Lebensthemen von John Heartfield. Angesichts der politischen Entwicklung in unserem Lande ist es heute umso wichtiger, an seine Arbeiten zu erinnern und sie erneut zu befragen“, so Meerapfel. Nur, warum ist Heartfields Parteilichkeit dann kein Thema? Kann jemand als Antifaschist glaubwürdig sein, der zu Stalins Verbrechen schwieg? ­Heartfields Wahrheit war nur die halbe Wahrheit. 


heartfield.adk.de
www.johnheartfield.de
Katalog: Hirmer Verlag, 39,90 Euro