Drama

Hedis Hochzeit

Tradition versus Neuanfang in Tunesien

ZITTY-Bewertung: 4/6
ZITTY-Bewertung: 4/6

Hedi (Silberner Bär für Majd Mastoura) ist nicht zu beneiden. Das Leben des jungen Tunesiers hat dessen Mutter voll im Griff. Die Braut ist ausgesucht, die Hochzeit vorbereitet, das obere Stockwerk ihres Hauses für das Paar ausgebaut. Es sollen ja bald Kinder kommen.

Hedi traut sich auch nicht, bei seinem Chef den Urlaub für die Hochzeitsreise durchzusetzen. Und so lässt er sich auch in der Woche vor der Hochzeit auf Dienstreise nach Mahdia schicken. Sich daran zu gewöhnen, Dinge zu tun, die man eigentlich nicht machen möchte, so könnte sein Lebensmotto sein.

Nicht der Mutigste: Hedi (Majd Mastoura), Arsenal Filmverleih

Regisseur Mohamed Ben Attia, geboren 1976 in Tunis, nimmt sich viel Zeit. Erst als Hedi auf Dienstreise geht – da ist schon die Hälfte des Films vergangen – kommt Bewegung in die Geschichte. Hedi verliebt sich in die Touristenbetreuerin Rim. Soll er trotzdem noch heiraten? Oder mit Rim das Land verlassen? Plötzlich hat Hedi jede Menge Konflikte zu bewältigen. Eine Lage, die der Film relativ deutlich als Gleichnis auf die Revolution in -Tunesien, die politischen Umwälzungen und die Rückkehr zu den traditionellen Verhältnissen benennt. Ein ambitionierter Film, der den Protagonisten und ihren Gefühlslagen erfreulich viel Raum gibt. Leider ist alles aber so konventionell erzählt und vorhersehbar, dass das Format zum großen Gesellschaftspanorama Tunesiens fehlt.

„Inhebbek Hedi“, TUN/B/F 2016, 88 Min., R: Mohamed Ben Attia, D: Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita

Hier läuft der Film in Berlin:

https://www.zitty.de/event/drama/hedis-hochzeit/