kriegsleidenskonzert

Hekabe – Im Herzen der Finsternis

Am Deutschen Theater stellt Stephan Kimmig Notenständer für Texte nach Homer und Euripides auf

Hörbuch: Paul Grill, Katharina Matz, Almut Zilcher und Linn Reusse – Foto: Arno Declair

Notenständer mit Textbüchern sind an der Rampe aufgebaut. Da ahnt man schon, dass es an diesem Antiken-Abend kammerkonzertant karg zugehen wird. Ausgenüchterte Textanbetungen sind überhaupt en vogue, gerade für Werke, deren Bildermacht quälend wirkt.

In „Hekabe – Im Herzen der Finsternis “ (nach Euripides und Homer) geht es um die Opfer von Troja, die vielen Frauen, Männer, Kinder, die von den Griechen beim Fall der Stadt hingeschlachtet wurden. Ihr Elend hat Hekabe, die Königin und Mutter, miterlebt, sie schleudert es uns entgegen. „Aus Tätern werden Helden, sobald sie ihre Lieder dichten“, heißt es.

Der Klagegesang aus vielen Perspektiven stemmt sich gegen diese Verklärung. Als „Konzert“ weist sich Stephan Kimmigs Abend im Untertitel aus. De facto gibt es etwas Percussion-Untermalung (vom Live-Musiker Michael Verhovec) zu kunstfertigen Vorträgen, die ökonomischer auch als Lesung hätten bewältigt werden können. Almut Zilcher, Katharina Matz, Paul Grill und die frisch gebackene Daphne-Preisträgerin Linn Reusse besorgen das gediegene Deklamationsgeschäft zu wechselnden Lichtstimmungen. Ab und an deuten gymnastische Einlagen eine Spur von Bildlichkeit an. Ein Hörbuch hätte es auch getan und wäre kraftschonender gewesen. CHRISTIAN RAKOW

4.+7.12, 20 Uhr, 29.12., 19 Uhr, Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Stephan Kimmig; mit Paul Grill, Katharina Matz, Linn Reusse, Almut Zilcher, Michael Verhovec. Eintritt 10-42, erm. 9 €