Post-Metal

Helmet

Sind die unstete Hardcorebrüller zahmer geworden? Melodiöser und entspannter auf jeden Fall

In den frühen bis Mittneunzigern zählten Helmet mit den Alben „Meantime“ und „Betty“ zur progressiven Garde des Alternative-Rock-Booms. Frontmann Page
Hamilton war studierter Jazz-Gitarrist und zuvor in der New Yorker Noise- und Avantgarde-Szene aktiv, was sich auch im wegweisenden Metal-Sound von Helmet niederschlug: ein trocken und repetitiv groovendes Riff-Gewitter zu vertrackten Taktarten; dazu dissonante Gitarrensoli und Hamiltons Mischung aus Hardcore-Gebrüll und Semi-Sprechgesang. Zum großen Verkaufsschlager reichte es nie, dafür aber zur Prägung zahlreicher Formationen aus dem harten Rock-Spektrum.
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Seitdem hat die Band diverse Umwälzungen durchlaufen: eine wenig freundschaftliche Auflösung 1998, Reaktivierung nach sechs Jahren und seitdem ein munteres Mitgliederkarussell. Konstant bleibt Hamilton, der mit Alben wie dem im Herbst erschienenen „Dead to the World“ nicht immer wohlmeinende Kritiken erntete. Fehlender Biss und mangelnde Innovation wird dem Helmet-Spätwerk vorgeworfen. Mag sein, dass der auch als Gastgitarrist, Filmkomponist und Produzent tätige Hamilton mit seinen Mitmusikern keine neuen Genre-Türen mehr aufstößt. Doch klangen Helmet nie so melodiös, nach über 25 Jahren sollte ein wenig Entspannung erlaubt sein. Heftig rocken können Hamilton und Co. trotzdem noch, versprochen.

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