Berliner Museen

Hieronymus Bosch in der Gemäldegalerie

Herr der Höllenwesen: Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett präsentieren Werke
von Hieronymus Bosch – und in voller Absicht auch viele Kopien

Zitty_Art Fürhung mit Kurator Stephan Kemperdick, 8.11.2016. Foto: F. Anthea Schaap
Im November führte Kurator Stephan Kemperdick ZITTY-Leser durch die Ausstellung „Hieronymus Bosch und seine Bilderwelt im 16. und 17. Jahrhundert“ in der Gemäldegalerie. Foto: F. Anthea Schaap

Nur 35 Exponate zeigt die Berliner Ausstellung im 500. Todesjahr von Hieronymus Bosch, und nur sieben sind vom Meister selbst. Der Grund für diese Sparsamkeit ist ausgerechnet der Ruhm des Künstlers: Weil es reizvoll war, seine fantastischen Figuren nachzumalen und daraus zu lernen, wurde Bosch oft kopiert. Auf der ganzen Welt soll es nur 15 bis 20 Originale von ihm geben, dagegen jedoch 300 bis 400 Kopien.
„Das Phänomen Bosch ist ohne Kopien nicht zu verstehen“, sagt Kurator Stephan Kemperdick von der Gemäldegalerie. Die meisten Bosch-Kopien befinden sich in  Spanien und den Niederlanden und sind nicht entleihbar. Einzig geborgtes Stück in Berlin ist eine Kopie der mittleren Tafel aus dem „Garten der Lüste“. Kemperdick hatte keine Großschau im Sinn. Stattdessen will er zeigen, was selten zu sehen ist: Bilder von Bosch sowie Nachfolgern – und eben Kopien, darunter sogar eine von Lucas Cranach dem Älteren. „Es wird keine Blockbuster-Ausstellung wie die in Madrid oder in der niederländischen Geburtsstadt von Bosch sein, die beide zusammen 1,3 Millionen Besucher angezogen haben“, sagt Kemperdick. Er erwartet bis zu 10.000 Besuche.

Weltberühmt ist Bosch für seine fantastischen Bilder aus der Übergangsphase zwischen Mittelalter zur Renaissance. Mit einer reichen Patriziertochter verheiratet, hatte Bosch, 1450 in ’s-Hertogenbosch geboren, Kontakt zu den höchsten Adligen, unter denen er seine Auftraggeber fand, darunter der regierende Fürst der Niederlande Erzherzog Philipp der Schöne. Später wurde Bosch auch jenseits des Adels populär. Im 20. Jahrhundert mehrten die Surrealisten seinen Ruhm, ebenso Deep Purple, die seine „Musikalische Hölle“ auf einem Plattencover abbildeten. „Ein Künstler, der über 500 Jahre hinweg mit seinen Bildern die Nachwelt nachhaltig bezaubert, wie Dürer oder Cranach, muss seine Wichtigkeit keinem mehr nachweisen“, sagt der Kunsthistoriker Peter Arlt.
Zehn Gemälde sind in der gemeinsamen Ausstellung von Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett zu sehen, darunter ein Original, ­„Johannes auf Patmos“. Dazu werden Kopien von Boschs Zeitgenossen gehängt, etwa ein Triptychon der „Versuchung des hl. Antonius“, das um 1550 entstand. Erst im 19. Jahrhundert als Kopie enttarnt, hat er lang definiert, wie ein Werk von Bosch auszusehen habe. Soeben restauriert, kann er nun erstmals seit 150 Jahren wieder gezeigt werden. Weitere Kopien sollen veranschaulichen, dass Boschs fantastische Welten auch im 17. Jahrhundert als Inspiration für niederländische Künstler dienten. Zum ersten Mal seit 15 Jahren werden zudem sämtliche Berliner Blätter von Bosch gezeigt, mit Vorder-  wie Rückseite, aus konservatorischen Gründen jeweils paarweise und abwechselnd für wenige Wochen.
Woher aber kommt die Faszination für Bosch? „Seine Kunst beflügelt die Fantasie“, sagt Kemperdick, „man muss sich nicht so gut mit Kunst auskennen, um seinen Bilder näherzukommen.“ Boschs Bilder „erlauben und fordern ein persönliches Herangehen“, sagt Peter Arlt. Die Gemäldegalerie zeigt die Exponate teils chronologisch, teils nach ­ästhetischen Kriterien geordnet. Und erprobt eine neue Raumgestaltung: ein renovierter Saal ist von dem Samt an den Wänden befreit worden.

Bis 19.2.2017: Gemäldegalerie, Matthäi­kirchplatz, Tiergarten, Di–Mi, Fr–So 11–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, 24.12. + 31.12. gesch., 10/ erm. 5 €

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