PREMIERE

Gewalt und Ekstase

Adrian Figueroa inszeniert Philipp Winklers Erfolgsroman „Hool“ mit dem Jungen DT

Wütende junge Männer auf der Suche nach dem Kick – Foto: Arno Declair

Text: Tom Mustroph

Das DT hat keine Angst vor Tabus. Vor ein paar Wochen waren Hooligans noch die bitterbösen Buben, besonders die von ­„Kaotic Chemnitz”. Die Hooligan-Gruppe hatte die dortigen Aufmärsche und Ausschreitungen mitorganisiert. Und jetzt kommt das Junge DT mit der szenischen Bearbeitung von Philipp Winklers Roman „Hool“ heraus. Hauptheld ist Heiko, ein Hooligan aus Hannover.

Im Roman allerdings geht es weniger um politische Einstellungen von Hooligans – meistens rechts – als um die existentielle Zerrissenheit von Heiko und seinen Versuch, ­diese Zentrifugalkräfte durch den Kick des Prügelns irgendwie zu beherrschen. Regisseur Adrian Figueroa hat genau dieser Aspekt interessiert: Das Rauschgefühl, das sich durch Gewaltausübung und Grenzüberschreitung einstellt.

„Ich habe viel Theater im Gefängnis gemacht. Einer der Gefangenen erzählte mir, dass das erste Wort, das er auf der Bühne sprach, ihn an den Moment erinnerte, als er zum ersten Mal eine Bank betrat, um sie auszurauben. Später hat er dann Banken weniger wegen des Geldes als aufgrund des Rauschgefühls überfallen“, erklärt Figueroa seine eigene Motivation, zum Thema Rausch zu arbeiten. Da machte die Dramaturgin Birgit Lengers den bekennenden Eintracht-Fan (der Frankfurter Eintracht, nicht der aus Braunschweig, dem Hauptgegner von Heikos Clique) auf das Buch aufmerksam.

In seiner Inszenierung spaltet er die Titelfigur in acht Positionen auf: Je vier Kinder, die die Rückblenden in die Kindheit spielen, und vier erwachsene Schauspieler. Für Lengers, Leiterin der sehr erfolgreichen Jugendsparte des Deutschen Theaters, ist diese Konstellation denn auch ein Traum: „Große“ wie „kleine“ Darsteller tragen gemeinsam die Inszenierung.

Und schon jetzt darf man vermuten: „Hool“ ist wohl die Inszenierung mit den meisten Schimpfwörtern und Beleidigungen, die je im Deutschen Theater aufgeführt wurde.

1.12. (Premiere), 2.12., 20 Uhr, 17.+18.12., 19 Uhr, Deutsches Theater – Box, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Adrian Figueroa; mit Christoph Franken, Sascha Göpel, Friedrich & Oskar von Schönfels, Jeremy Mockridge u.a., Eintritt 14, erm. 6 €