BILDERTHEATER

Hunger. Peer Gynt

Am DT verrührt Sebastian Hartmann Knut Hamsun mit Henrik Ibsen zu ­einer diffusen Seelenschau

Tanz den Hamsun und den Ibsen: Marcel Kohler, Manuel Harder, Almut Zilcher, Linda Pöppel, Elias Arens, Edgar Eckert, Linn Reusse, Cordelia Wege – Foto: Arno Declair

„Achtung: Kunst!“, ruft dieser Abend. Und fährt schweres Geschütz auf: Nebel dampft, Akkorde wummern, Scheinwerfer blenden auf und ab, am Ende regnet es auch noch. Währenddessen entsteht hinten auf drei riesigen Leinwänden ein Bild in Schwarzweißgrau, eine zunehmend abstrakte Landschaft.

Sie ist das beeindruckendste Resultat von Sebastian Hartmanns gut dreistündiger Inszenierung am Deutschen Theater, die Motive aus Knut Hamsuns „Hunger“-Roman von 1890 zelebriert, der mehr Seelen- und Symptomschau ist als Handlung: verwirrte Zustände, Einflüsterungen, Erscheinungen, Rausch. Dazu gibt es ­wenige Szenen aus Henrik Ibsens „Peer ­Gynt“-Drama, Peers und Aases Fantasiereisen etwa.

Als Materialsammlung mag das spannend sein, als Vorlage für einen Theaterabend bleiben die Texte blutleer, zumal man Vieles ohnehin nur schwer versteht. Große Schauspieler wie Manuel Harder, Marcel Kohler, Linn Reusse und Almut Zilcher staksen in scheintätowierter Haut, unter Hüten und in Kleidern umher, die wie eine groteske Verzerrung des 19. Jahrhunderts wirken. Erscheinungen sind sie, ­keine Figu­ren. Statt Handlung gibt es Atmos­phären auf dem schmalen Grat zwischen monumentaler Geste und Peinlichkeit. Manches Bild – Schattenrisse im Nebelmeer – wirkt groß. Der Hunger nach Thea­ter aber bleibt ungestillt. GEORG KASCH

10., 22.+29.11., 19.30 Uhr, Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Sebastian Hartmann. Eintritt 5–42, erm. 9 €