Kino

I, Tonya

Jeder halbwegs sportinteressierte Mensch wird sich erinnern: Tonya Harding vs. ­Nancy Kerrigan – ein Duell zweier US-Eiskunstläuferinnen, das im Januar 1994 in den unfassbaren Skandal mündete, ­Harding habe dafür gesorgt, dass Kerrigan das Knie zerschmettert wurde.

Und Schlittschuhlaufen kann Tonya Harding (Margot Robbie, Mi.) wirklich gut

Mit ganz viel Augenzwinkern haben nun Regisseur Craig Gillespie – er schuf 2011 das pfiffige Remake des Horrorfilms „Fright Night“ – und sein Drehbuchautor Steven Rogers hauptsächlich anhand von Interviews den Aufstieg und Fall der Tonya Harding für die Leinwand nachgezeichnet.Tonya (brillant: Hollywood-Shootingstar Margot ­Robbie) wächst in ärmlichen Verhältnissen unter ihrer dominanten ­Mutter ­Lavona ­(Allison Janney gewann den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle), die das ­Talent ihrer Tochter schon früh erkennt. Fortan gibt es in Tonyas Leben quasi nichts anderes als den Sport, sie bricht sogar die Highschool ab. Tonya Harding ist bald die erste Frau, die einen dreifachen Axel springt, sie wird 1991 US-Meisterin.
Gillespie schildert all dies in einer schwungvollen Inszenierung, die nicht nur durch (nachgestellte) Interviews gewürzt wird, sondern auch durch das Durchbrechen der „vierten Wand“: Immer wieder ­sprechen die Akteure direkt zum Kinozuschauer und erklären sich. Durch diesen dramaturgischen Bruch bekommt die Szenerie einen satirischen Einschlag, wohl nur so sahen die Macher eine Chance, mit dem unglaublich dilettantischen Verhalten aller am Anschlag auf Nancy Kerrigan Beteiligten adäquat umzugehen.

Harding ist dabei nicht schuldlos, lernt aber definitiv den falschen Mann ­kennen. Sie verliebt sich in den Jeff (Sebastian Stan), der sie nicht nur schlägt, sondern auch das ­Attentat in die Wege leitet. Unterstützung erhält er von seinem verfressenen Kumpel Sean (Paul Walter Hauser), der einige Volltrottel anheuert, das Ding mit Kerrigan durchzuziehen. Das Ergebnis: Die Männer landen im Knast und Tonya Harding wird lebenslang für ihren Sport gesperrt.

„I, Tonya“ balanciert geschickt auf dem Grat zwischen Sportdrama und Groteske – und zeigt zugleich ein immer noch aktuelles Bild der US-Gesellschaft, in der nur die Nummer 1 wirklich zählt – die 1 in was auch immer. Leider spielt das ­eigentliche ­Verhältnis zwischen Harding und Kerrigan kaum eine Rolle. 

USA 2017, 120 Min., R: Craig Gillespie, D: Margot Robbie, Allison Janney, Sebastian Stan, Julianne Nicholson

I, Tonya