Westbams Club-ABC

I wie Icon

Irgendwann Mitte der 90er Jahre, als Technohouse und Rave schon nicht mehr taufrisch waren, sollte der nächste große Trend Drum’n’Bass werden. Das sagten zumindest einige Auguren und verkündeten eine Zukunft,  die nach der roughen, minimalistischen Breakbeat-Variante klingen sollte,  wie sie etwa Goldie und seine Metalheadz repräsentierten.  Der Glauben daran hielt nur wenige Wochen, denn man konnte schnell sehen, dass die Mehrheit des Techno-Publikums mit breakigen Riffs wenig anzufangen wusste und ihr 4/4-Takt-Soundkorsett nicht verlassen wollte – eine Tatsache, die von den wenigen, dafür aber umso fanatischeren D’n’B-Fans als pure Ignoranz und als Zeichen der Schlechtigkeit der Menschheit gewertet wurde.
Das Icon ist seit jenen Tagen die Heimstatt der Drum’n’Bass-Szene. Es hat als einer der dienstälteren Clubs Berlins alle Stürme überstanden. Alle Größen des Genres haben dort gespielt, inzwischen wurde das Musikprogramm in Richtung anspruchsvolle Elektronika erweitert. 
Ich selbst war wohl nur einmal im ehemaligen Keller der Groterjan-Brauerei – es war bereits früh am Morgen –, und ich fand dort alles vor, was eine amtliche roughe Berliner Underground-Location ausmacht.
Da auch ich nicht ausgewiesener Drum’n’Bass-Fan bin, repräsentiert das Icon für mich die Sorte von Clubs, über deren Existenz man sich freut weil sie die Berliner Clublandschaft vervollkommnen und die man dem spezialisierten Liebhabern jederzeit empfehlen kann. Auch wenn man selbst nur höchst selten zu Gast ist.

Adresse:
Cantianstraße/ Ecke Milastraße
(Prenzlauer Berg)
Zeitpunkt des Besuchs: Ende der 90er
Typischer Track des Ladens: Grooverider – Where is Jack the Ripper 

Mehr von Westbam auf facebook.com/westbam und www.westbam.de