Berlin

“Ich bin süchtig nach der Bucht”

Binnenpirat Luan, 24, hat seinen Platz gefunden. Auf seinem Boot kreuzt er zwischen Lichtenberg und Friedrichshain

Luan auf seinem Boot
Foto: Saskia Uppenkamp

Luan hat in seinem Boot fünf Matratzen, eine Küche, ein Klo, eine Heizung und einen Haufen Gesellschaftsspiele. In Messing eingefasste Lampen vermitteln ein Gefühl von Prunk aus den Neunzigern. In allen möglichen Winkeln, teilweise in die Wände eingearbeitet, befinden sich Lautsprecher. Obwohl sein Boot mit 22 Quadratmetern sehr geräumig ist, muss Luan sich leicht ducken, wenn er aufsteht. Seit zwei Jahren ist Luan ein Bootsmensch. Er hat sich dafür entschieden, weil er sich etwas kaufen wollte, das ihn länger auf seinem Lebensweg begleitet. Und ihm Sicherheit gibt. Dieses Jahr versucht Luan, auf seinem Boot zu überwintern. Gelegentlich hilft er beim Reparieren und Instandhalten anderer Wasserfahrzeuge. “Wenn ich Kleinigkeiten reparieren muss, lerne ich viel und kenne mich dann auch schnell sehr gut aus”, sagt er. Mit seinen 24 Jahren hat Luan seinen Platz gefunden. Er gehört zum Kollektiv der schwimmenden Wagenburg Lummerland, Heimat von Punks und Piraten. Lummerland beschreibt er wie eine riesige familiäre WG, nur mit dem Vorteil, dass er, sollte er genervt sein, jederzeit wegfahren kann. Das sei allerdings selten der Fall. ”Ich bin schon süchtig nach der Bucht und vernachlässige meine Familie”, sagt er. Demnächst möchte er seinen Bruder in Hamburg besuchen. Die Verantwortung für sein Boot anderen zu übertragen, fällt ihm allerdings nicht leicht.

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