Was mich beschäftigt

Ich hatte noch nie ein Smartphone. Bin ich deshalb technikfeindlich?

Kürzlich traf ich nach langer Pause einen alten Freund wieder. Wir saßen im Café und plauderten über unsere Erlebnisse der vergangenen Jahre. Dann rief meine Tochter an. Ich kramte mein Telefon aus der Jackentasche, beantwortete zwei, drei Fragen und steckte das Gerät wieder weg. Nach dem Gespräch schaute mich der alte Freund erst fragend und dann mitleidig an. „Mit was für einem Gerät telefoniert die denn?“, stand in sein Gesicht geschrieben. Unter seinem Blick kam ich mir augenblicklich ärmlich und unfassbar rückständig vor. Eine Erfahrung, die ich öfters mache. Ich telefoniere mit einem Handy, keinem Smartphone. Mit meinem Gerät kann ich weder Apps runterladen noch E-Mails empfangen und natürlich auch nicht per Whatsapp chatten.

Eva Apraku
In dieser Rubrik stellen sich ZITTY-­Autoren große und kleine ­Gewissensfragen. Dieses Mal: Redakteurin Eva Apraku
Foto: Foto: Harry Schnitger

Als ich mir vor nicht ganz zehn Jahren dieses, mein drittes, Handy kaufte, hatte kurz zuvor das erste iPhone seine Premiere erlebt. Den Zigarettenschachtel-kleinen Computer mit Telefonfunktion empfand auch ich als echte Revolution. Kaufen wollte ich es trotzdem vorerst nicht. Es war teuer, die Vertragskonditionen ungünstig, außerdem wollte ich erst mal abwarten, welche Kinderkrankheiten die Early Adopters bei dem neuen Gerät entdecken würden. Und bis zur nächsten, verbesserten Smartphone-Generation hätte mein dann altes Handy bestimmt schlapp gemacht. Ein Neukauf, dann ein Smartphone, wäre unausweichlich.

Während ich also darauf wartete, dass mein Handy seinen Geist aufgab, begann sich die Welt um mich herum zu verändern. In U-Bahnen, an Restauranttischen, bei Meetings saß man nun mit gesenkten Häuptern neben mir und strich entrückt über Displays. Die Gespräche wurden fahrig. Umso anwesender wurden Menschen ausgerechnet dann, wenn sie eigentlich weg waren. Zu Urlaubszeiten quollen Face-book & Co. über: Wir am Strand, wir im Restaurant, wir auf dem Berggipfel. Riesendramen entspannen sich, wenn die kleinen Geräte verschwanden: Das Familienalbum, die Kontaktdaten, der Terminkalender – alles weg. Bei manchen begann erster Überdruss: Buße tun, fasten, digitales Detox.

Die verbesserten Smartphone-Generationen zu günstigeren Bedingungen, auf die ich ursprünglich gewartet hatte, gibt es längst. Auch bin ich immer noch der Ansicht, dass Smartphones geniale kleine Alleskönner sind. Trotzdem erscheinen mir die Momente jenseits des Computers am Arbeitsplatz und oder am heimischen Schreibtisch zunehmend kostbar: Es ist die Zeit, mit allen Sinnen die Gegenwart wahrzunehmen und die kleinen unvorhergesehenen Abenteuer des Alltags zu erleben.

Meine Smartphone-Verweigerung wird inzwischen aber auch durch einen sportlichen Aspekt befeuert: Das alte Handy tut es immer noch, Akkulaufzeit immer noch fünf Tage – wie lange werden wir beide noch durchhalten? Wobei: Seit kurzem vermute ich, dass ich mich mit meinem Handy womöglich an der Speerspitze eines neuen Trends bewege. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona jedenfalls sorgte kürzlich nicht digitales Hightech, sondern die Wiederauflage des Nokia 3310 für Furore. Das Handy kann: keine Apps runterladen, kein Internet, kein Navi.

Zukunft, ich bin bereit.

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