Drama

Ich wünsche dir ein schönes Leben

Spurensuche im Norden Frankreichs

ZITTY-Bewertung: 5/6

Ounie Lecomtes Spielfilm handelt von ­einer Zusammenführung und ­keinem ­Abschiedsgruß, wie der deutsche Titel suggeriert. Elisa Bérard (Céline Sallette) reist mit ihrem zehnjährigen Sohn (Elyes Aguis) von Paris in die Hafenstadt Dunkerque im äußersten Norden Frankreichs. Hier befindet sich das Krankenhaus, in dem ihre Mutter sie nach der Geburt in den 80ern zur Adoption freigab.

Ich wünsche dir ein schönes Leben
Foto: Film Kino Text

Elisa ist fragil, drahtig, verschwiegen; eine Physiotherapeutin, die den ganzen Tag fremde Körper in den Armen hält, aber Distanz zu sich und ihrer Umwelt aufgebaut hat. Ein Kontrast, den ­Lecomte ohne viele Worte inszeniert. Ganze ­Sequenzen kommen ohne Dialoge aus, was nicht nur Céline Sallette zu verdanken ist, sondern auch Anne Benoit. Sie spielt ­Annette ­Lefèvre, eine Hilfskraft der Schule, die auch Elisas Sohn besucht. Der ist in der ­Schule den Hänseleien der ­Mitschüler ausgesetzt, während in der ­Kantine ­Uneinigkeit ob seiner Religion besteht – legt man ihm nun Bratwürste oder doch besser Fisch auf den Teller? Denn obwohl beide Eltern französischer Herkunft sind, wird Elisa mehr als einmal nach der ­Provenienz des Vaters befragt: algerisch, marokkanisch?

Vieles bleibt zunächst vage, bevor sich nach und nach der Schleier hebt. Dass dies meist elegant geschieht, ist schön. Dass dies so allumfassend geschieht, weniger.

„Je vous souhaite d’être follement aimée“,  F 2016, 100 Min., R: Ounie Lecomte, D: Céline Sallette, Anne Benoit, Elyes Aguis

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