Kino

Idioten der Familie

Sie sind ins elterliche Haus zurückgekehrt, die drei Brüder. Frederick (Kai Scheve) ist 42, ein erfolgreicher klassischer Musiker, im Gegensatz zum Jazzer Tommie (Hanno Koffler), 32. Bruno (Florian Stetter),30, will ein humanitäres Projekt in Afrika starten. Sie besuchen ihre Schwestern: Heli (Jördis Triebel) ist 40 und hat nach dem Tod der Pastoreneltern seit Jahren das geistig gehandicapte Nesthäkchen Ginnie (Lilith Stangenberg) betreut. Nun will Heli ein neues Leben anfangen, deshalb soll Ginnie ins Heim.

Idioten der Familie
Foto: Nadja Klier

Seit dem Spielfilmdebüt „Überall ist es besser, wo wir nicht sind“ (1989) ist Michael Klier, Jahrgang 1943, ein sensibler Beobachter von Befindlichkeiten, mit Filmen wie „Ostkreuz“ (1991) oder „Alter und Schönheit“ (2008). Feinsinnig arbeitet Klier nun mit seinem erstklassigen Schauspieler-Quintett die Eigenheiten der Figuren und deren Unfähigkeit zur Kommunikation heraus. Die Männer meinen es gut und sind hilflos, besonders gegenüber der sensiblen und unberechenbaren Ginnie, die durchaus ihre eigenen Bedürfnisse auslebt. Das intensive Kammerspiel zeigt zudem, wie die „Selbstverwirklichung“ mitunter dem sozialen Zusammenhalt im Wege steht. Wunderbar: die schon in „Wolf“ etwas weltentrückt wirkende Lilith Stangenberg als Frau mit Handicap, die mehr registriert als ihren Geschwistern bewusst zu sein scheint. Martin schwarz

D 2018, 102 Min., R: Michael Klier, D: Lilith Stangenberg, Jördis Triebel, Kai Scheve, Hanno Koffler, Florian Stetter, Start: 12.9.