Kino

Im Netz der ­Versuchung

Ein beschauliches Leben führt Baker Dill. Tagsüber verhilft er mit seinem Boot Touristen zum Fang großer Fische, die ­Nächte verbringt er in der Kneipe oder bei seiner Geliebten Constanze. Was harmonisch beginnt, wandelt sich zu einem Thriller in der Tradition des Film Noir, als Bakers Ex-Frau Karen auftaucht und ihn bittet, sie (und ihren Sohn) vom gewalttätigen Ehemann Frank zu erlösen. Wegen dessen Trunkenheit brauche er ihn nur über Bord zu werfen, dafür würde er mit 10 Millionen Dollar entlohnt.

Gaaanz große Fische in Sicht
Foto: Universum Central

Ein klassisches moralisches Dilemma also. Aber spielt Karen mit offenen Karten? Und was hat es mit diesem Vertreter für Anglerzubehör auf sich? Und wieso wissen alle Einwohner des Ortes Bescheid über das, was vorgeht? Haben wir es etwa mit einer Parodie zu tun?

Thriller leben davon, dass nicht alles ist, wie es scheint. Der Brite Steven Knight, bekannt geworden durch das Drehbuch zu Cronenbergs „Tödliche Versuchung“, hat vor sechs Jahren mit seiner zweiten ­Regiearbeit „No Turning Back“ (die Tom Hardy 85 Minuten allein am Steuer seines Wagens zeigte) ein minimalistisches Meisterwerk vorgelegt. Auch seine dritte Regiearbeit ist ein Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, das das Vergnügen an klassischen Genreregeln befriedigt und zugleich unterläuft. Dass mancher sich am Ende düpiert fühlen mag, ist dabei Teil des spielerischen Risikos.

„Serenity“, USA/GB 2018, 106 Min., R: Steven Knight, D: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Diane Lane, Start: 2.5.

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