Berlin

Im Opel Omega durch die Vorstadt: Marteria und Casper

Marteria und Casper, die seit Jahren Stadien und Festivals als Headliner füllen, kollaborieren auf Albumlänge – und türmen das Beste aus zwei der erfolgreichsten Rap-Karrieren des Landes zu neuer Größe auf

Ein Casper-Marteria-Projekt stand schon seit 2009 im Raum. Ein ziemlich enger, verqualmter Backstage-Raum eines nicht gut besuchten Venue war es, wo Benjamin Griffey und Marten Laciny den Aprilscherz im Video-Interview herausposaunten und „Casimoto“ tauften. Wann das gemeinsame Album denn endlich erscheine, wollen Fans nun seit fast zehn Jahren wissen. Das Warten auf „1982“ hat sich gelohnt.

In der Zwischenzeit haben die beiden die deutsche Musik verändert. 2009 musste Rap auf Deutsch sich neu finden. Der Schock der Aggro-Berlin-Ära war überstanden, es gab eine Riesenszene, aber durch illegale Downloads noch keinen fairen Markt für Künstler wie K.I.Z., Die Orsons – und eben Casper und Marteria. Man zog durchs Land, spielte „Tingeltouren“, wie Casper sie mal nannte. Als dieser 2010 von Bielefeld nach Berlin zog, war Marteria, der aus Rostock stammt und im selben Jahr mit dem Album „Zum Glück in die Zukunft“ der Szene eine neue Blaupause voller Pop-Appeal vorgelegt hatte, schon seit sieben Jahren hier. 2011 stieg dann Caspers heute als Klassiker eingeschätztes „XOXO“ auf Platz eins der Charts ein. Damit platzte nicht nur ein weiterer Knoten, sondern endlich das festgezurrte Korsett, in dem der in der breiten Öffentlichkeit noch als Soundtrack für die Unterschicht belächelte Hip­Hop gesteckt hatte.

Marteria und Casper
Wenn ein Aprilscherz wahr wird: Das Berliner Allstar-Duo Marteria und Casper (rechts)
Foto: Christian Hedel

Aber wie konnte sich mit Casper ein Rapper, der mehr nach dem Frontmann von 30 Seconds to Mars oder Mando Diao aussah, in das im HipHop verbreitete Schwarzweißdenken fügen? Durch zuvor nicht da gewesenes Zulassen anderer musikalischer Einflüsse von Indie-Rock bis Hardcore, durch eine bis dato ungehörte textliche Gefühlsästhetik und – so lächerlich das 2018 klingen mag – das Tragen enger Jeans leiteten Marteria und Casper quasi zeitgleich den Kurswechsel ein. Die Hörer liebten es, selbst die Fachpresse war sich einig: Die beiden waren die neue Hoffnung des deutschen Sprechgesangs. Und in der Tat  ebneten ihre Erfolge den Weg für heutige Erfolgsacts wie Cro, Kraftklub und Chefket in den Mainstream.

Auf „1982“ ergänzen sich die beiden schon im Intro mit je drei Strophen ohne Refrain auf einen Soul-Rock-Loop. Weder zu konzeptuell verkopft noch zu sehr aufs Füttern des eigenen Egos aus heizt man im Opel Omega durch die Vorstadt. Anstatt sich aktuellen Trends anzubiedern oder altbackene Keulen zu schwingen, greifen Caspers und Marterias verschiedene Klangwelten passgenau ineinander. Die beiden sind eben vor allem auch Fans voneinander.

Marteria & Casper: „1982“, VÖ: 31.8.,  (Zwei Bernds tanken Super/Sony)