DOKU-DRAMA

In der Sache J. Robert Oppenheimer

Berührendes Gedankenexperiment.

Wissenschaftliche Verantwortung vor Gericht – Foto: Arno Declair

Eigentlich ist das Stück ja klassischstes Doku-Theater: „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ verdichtete Heinar Kipphardt Protokolle der US-Atomenergiekommission von 1954, deren Wortführer den Vater der Atombombe aus der Forschung drängen will, weil er den Bau der Wasserstoffbombe verzögert hat. Woher kommen seine plötzlichen Skrupel?

Das interessiert auch Christopher Rüping, berühmt dafür, Stücke liebevoll durchzuschütteln und spielerisch zu befragen. Am Deutschen Theater nähert er sich behutsam dem fremd wirkenden Stoff, sprechen die Schauspieler zunächst die Worte distanziert mit Knopf im Ohr. Bald schlüpfen sie in Rollen und Kostüme, wird hinten eine Villen-Kulisse aufgebaut.

Am Ende ist die Bühne wieder wüst und leer, als hätte eine Bombe alles ausgelöscht. Nur kleine Lichtroboter huschen über die Bühne. Starke Bilder sind das. Dazwischen gewinnt das Drama um einen Wissenschaftler, der spät sein Gewissen findet, an Fahrt, wiegen die leidenschaftlichen Argumente schwer. Manchmal blitzt auch Witz auf. Nicht alles geht auf. Aber dank Felix Goeser, Maike Knirsch, Michael Goldberg, Camill Jammal und den anderen lässt man sich auf dieses Gedanken­experiment ein. Und fragt sich: Ist die Gefahr gebannt? Oder leben wir auf einer tickenden Bombe? GEORG KASCH

16.+22.2., 20 Uhr, 24.2., 18 Uhr, Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Christopher Rüping; mit Felix Goeser, Michael Goldberg, Camill Jammal, Maike Knirsch u. a., Eintritt 10–42, erm. 9 €