Rechtspopulisten

Inside AfD

Die AfD (Alternative für Deutschland) am rechten Rand verunsichert die etablierten Volksvertreter zutiefst. Sie ist zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz geworden. Wir haben uns die Rechtspopulisten in einer verdeckten Recherche näher angeschaut

Am Ende des Tisches sitzt ein grauhaariger Mann, um die 40 Jahre alt, und beobachtet die rege Diskussion im Raum. Er lehnt sich nach vorn und sagt: „Ich hab nichts gegen Ausländer“.

Die Augen im Raum wandern auf ihn. „Ich habe aber auch nichts gegen Tiere. Schlangen zum Beispiel finde ich interessant, trotzdem möchte ich keine zu Hause haben.“

Er nimmt einen Schluck von seinem Hefeweizen, streicht sich seine langen Haare aus dem Gesicht und guckt zufrieden zu, wie sich auch andere Diskussionsteilnehmer über Flüchtlinge in Deutschland empören.

Pressetermin, Wahlkampfstart AfD in Berlin GER, Berlin, 20160728, Alternative f¸r Deutschland, Landtagswahlen, mit Spitzenkandidat Georg Pazderski, Roland Gl‰ser, Hans-Joachim Berg, Kirstin Brinker und Frank Hansel Press call AFD in Berlin ger Berlin Alternative for Germany State elections with Top candidate Georg Pazderski Roland Glasses Hans Joachim mountain Kirstin Brinker and Frank HanselFoto: imago / Gerhard Leber
Pressetermin, Wahlkampfstart AfD in Berlin GER, Berlin, 20160728, Alternative f¸r Deutschland, Landtagswahlen, mit Spitzenkandidat Georg Pazderski, Roland Gläser, Hans-Joachim Berg, Kirstin Brinker und Frank Hansel
Foto: imago / Gerhard Leber

Ausländer mit Tieren vergleichen, fängt ja gut an, denke ich mir. Ich sitze mitten zwischen all den Leuten, die ihren rassistischen Gedanken freien Lauf lassen. Ich fühle mich unwohl. Auch wenn es schwerfällt, nicke ich gelegentlich befürwortend. Um nicht aufzufliegen.

inside Afd Zitat

Die AfD spaltet das Land wie keine andere Partei. Für die einen ist Deutschland dem Untergang geweiht, sollte sie an die Macht kommen – für andere ist gerade sie die letzte Hoffnung, das Vaterland zu retten. Auch in der Hauptstadt ist die „Alternative für Deutschland“ zu einem ernstzunehmenden Gegner der etablierten Parteien herangewachsen. Laut aktuellen Umfragen würden 15 Prozent der Berliner der AfD ihre Stimme geben. Über 1.000 Mitglieder hat die Partei hier bereits. Doch woher kommen die? Wen vertritt die Partei, wofür steht sie? Laut Politikwissenschaftlern ist sie dem rechten Spektrum zuzuordnen, sogar rechtsextreme Tendenzen seien erkennbar. Sie selbst hingegen gibt sich als Bürgerpartei, eine Partei der Mitte. Die großen Medien haben selten ein gutes Wort über die AfD zu verlieren, die Partei kontert „Lügenpresse“. Wem soll man glauben? Um herauszufinden, was für eine Partei die AfD wirklich ist, habe ich mich eingeschleust.

Mit meinen 22 Jahren habe ich meine politischen Aktivitäten bisher aufs Wählen beschränkt. „Meine Partei“ habe ich noch nicht gefunden. Auch ich habe das Gefühl, dass mich keine angemessen vertritt. Die AfD ist für mich keine Alternative. Trotzdem möchte ich sie kennenlernen, um das Phänomen AfD zu verstehen.

Für das Experiment gebe ich mich als Sympathisant aus. Ich rufe beim Berliner Landesverband an, erzähle, dass ich mich für einen Beitritt interessiere. Die Frau am Telefon sagt, Voraussetzung sei, am Kennenlerntreffen teilzunehmen. Wann und wo das Treffen stattfindet, will sie mir am Telefon nicht sagen – aus Sicherheitsgründen. Ich möge doch eine E-Mail schreiben, damit man mir eine Einladung zukommen lassen kann.

1. Das Kennenlerntreffen

Das Treffen findet in einem argentinischem Steakhouse statt. Trotz des Regens ist es warm draußen, die großen Fenstertüren zur Straße stehen weit offen. Ich betrete das Lokal, der Mitarbeiter hinterm Tresen merkt, dass ich etwas suche und fragt, ob er weiterhelfen kann. Seinem Aussehen nach hat er einen indischen Hintergrund. Ich frage bewusst nur nach „dem Kennenlerntreffen“. „Von der AfD?“, fragt er, woraufhin ich etwas beschämt bejahe. Er zeigt mir den Gruppenraum.

AfD-Zitat

Es ist noch relativ leer am Tisch. Zwei Männer, beide um die 40, sitzen sich gegenüber, vor ihnen Mappen mit Infomaterialien. Ich begrüße sie, setze mich und schaue zu, wie sich der Raum füllt. Neben den Anzugträger gesellt sich ein Nerd im Schlabbershirt, ein typischer Familienvater sitzt zwischen einem durchtrainierten Polizisten und einer älteren Dame. Ich lausche den Gesprächen. Die ältere Dame wird, nachdem sie erzählt hat, dass sie in Neukölln wohnt, gefragt, ob sie die öffentlichen Verkehrsmittel benutze. Sie verneint und sagt, dass man das gar nicht mehr könne. Ihr Gesprächspartner nickt und erzählt, dass Nord- und Südeuropäer komplett unterschiedliche Menschen seien. „Das ist ja nichts Schlimmes, liegt halt in den Genen, aber ob man das so mischen muss?“

Es ist 19 Uhr, der Tisch ist voll besetzt, einige Teilnehmer sitzen in zweiter Reihe. Insgesamt sind um die 20 anwesend, hauptsächlich männlich, alle älter als ich. Die Moderation übernimmt ein Mann mit braungebranntem Gesicht und nach hinten gekämmtem Haar. Er sagt: „Wie man sieht, sind hier ganz normale Menschen, keine Nazis mit Springerstiefeln und Baseballschläger, wie uns die Medien immer porträtieren“.  Mit am Tisch sitzt ein weiterer Journalist – ganz offen. Ein Raunen geht durch den Raum. Der Moderator versucht die Menschen zu beruhigen: „Er ist keiner von der Lügenpresse, er berichtet objektiv über uns. Nicht immer gut, aber ehrlich.“

AfD Demo
AfD Demo
Foto: Jens Hollah

Es wird eine Kennenlernrunde eingeleitet. Jeder soll erzählen wer er ist und warum er hier ist. „Am besten gehen wir reihum, egal ob rechts oder links“, sagt er. „Ganz klar rechts!“, hört man vom Ende des Tisches. „Komm mir bloß nicht mit links“, kommentiert ein anderer. Also geht es rechts herum. Rechtsanwalt, Rentner, Kunstwissenschaftler, Dolmetscher und so weiter. Viele waren bereits in der Vergangenheit Mitglied in anderen Parteien. Während die meisten von der CDU kommen, sind auch einige ehemalige Republikaner dabei. „Ich war in der SPD – ich weiß, Schande über mich –, aber jetzt bin ich ja zum Glück hier“, berichtet der Moderator. Was auffällig ist: Es sind wenige gebürtige Berliner anwesend. Viele kommen aus Westdeutschland, die meisten jedoch aus anderen Städten der ehemaligen DDR. Als Grund für ihre Anwesenheit nennen viele ihr Gefühl, dass hier wieder etwas schief läuft – genau wie damals. Dann bin ich an der Reihe. Ich stelle mich vor, gebe an, dass ich bald nach Berlin ziehen werde und mich dann in der AfD engagieren möchte. Nach der Vorstellungsrunde beginnt die Diskussion. Es geht um den Euro, den Atom-Ausstieg, Pegida, die Lügenpresse. Hier wird klar, dass sich die Partei noch finden muss, zu vielen Themen noch keine klare Antwort geben kann. Das Atomausstieg-Lager gegen die Atomkraft-Befürworter, die Euro-Gegner gegen die, die den Euro behalten wollen. Zwar herrschen rege Diskussionen am Tisch, doch in einer Sache ist man sich einig: Sie sind die Vernünftigen, sie haben den Mut, den Mund aufzumachen um Deutschland zu verändern und sich den verblendeten Gutmenschen gegenüberzustellen. Immer wieder, wenn sich die Leute am Tisch trotz ihrer konträren Meinung aufmuntern und als Gruppe stärken, kann man den stolzen Blick des Vorstandmitglieds beobachten, der sich über das Zusammengehörigkeitsgefühl seiner potenziellen Parteifreunde freut.

Plötzlich kommt das Thema auf, das ich früher erwartet hatte: Asylsuchende. Zumindest in dieser Frage sind sich die Diskussionsteilnehmer einig – es seien zu viele Muslime im Land. „Es ist ja ein Konsens der vernünftigen Leuten wie uns, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt eines der Vorstandsmitglieder und will das Thema damit abhaken. Doch die Diskussion geht weiter. „Schon 2030 wird es mehr Muslime als Deutsche in unserem Land geben“, sagt ein älterer Herr und beruft sich auf Zahlen von Thilo Sarrazin. „Und mit der Bildung geht es auch bergab“, beklagt er sich weiter. „Dass 20 Prozent der Flüchtlinge Analphabeten sind, ist ja ein Fakt“, antwortet ein Vorstandsmitglied. „Nur 20 Prozent? Das wäre schön“, ruft jemand. Sie fürchten, fremd im eigenen Land zu werden und suchen Hilfe – bei der AfD.

Ein Mann um die 70, erklärt, wie die Asylanten das deutsche Sozialsystem ausbeuten: „Die Muslime heiraten eine Frau standesamtlich und drei kirchlich. Mit jeder Frau haben sie zehn Kinder, damit sie 40-mal Kindergeld bekommen – zusätzlich zu den Sozialleistungen für die Frauen.“ Er stellt es dar, als wäre das allgemein üblich bei Muslimen in Deutschland – und keiner widerspricht. „Wer den Koran gelesen hat, weiß, dass der Islam in Europa nichts zu suchen hat“, sagt ein anderer und erklärt, dass die Religion nur ein Ziel verfolge: die Weltherrschaft. Auch hier nur Zustimmung.

Die Diskussion über Muslime in Deutschland schwenkt über zu Pegida. Wie steht man zu der Bewegung „besorgter Bürger“, die etwas gegen die Islamisierung ihres Vaterlandes tun wollen? Im Raum herrscht geteilte Meinung. „Wenn wir die 51 Prozent bei einer Wahl jemals schaffen wollen, müssen wir mit Pegida kooperieren“, beginnt ein grauhaariger Herr die Diskussion. „Wir sollten uns lieber von denen distanzieren“, meint ein anderer. Die Vorstandsmitglieder fahren den Mittelweg: „Wir müssen uns mit Pegida gutstellen, schließlich ist unsere Partei in Teilen aus dieser Bewegung entstanden. Mit dem rechten Mob, der sich dort unter die Teilnehmer mischt, möchten wir jedoch nichts am Hut haben“. Man ist sich einig, dass das Abfackeln von Flüchtlingsheimen niemandem weiterhilft. Nach zwei Stunden ist die Diskussion beendet. Die Vorsitzenden bedanken sich noch einmal bei den Teilnehmern und laden zum Stammtisch der Partei ein.

2. Beim Stammtisch

Afd-Zitat

Eine Woche nach dem Kennenlerntreffen mache ich mich auf den Weg zum Stammtisch der AfD. Ein Mal im Monat treffen sich Mitglieder und Aspiranten aus ganz Berlin in Charlottenburg. Es ist ein sonniger Tag, viele Gäste sitzen auf der Terrasse vor dem Ratskeller. Auch der Gruppenraum im Innern ist schon fast komplett gefüllt. Ich gehe hinein, erkenne einige Gesichter vom Kennenlerntreffen wieder und auch sie signalisieren mir mit einem Nicken, dass sie sich an mich erinnern. Ich setze mich direkt an den ersten Tisch und kann einem Gespräch hinter mir lauschen. Ein junger Mann, Mitte 20, mit Brille und ausgewaschenem Shirt, beklagt sich über die körperlichen Angriffe der „Antifanten“, denen sie immer öfter bei ihren Wahlkampfständen ausgesetzt sind. Am liebsten würde er sie alle mit einer Stahlstange verprügeln, scherzt er. Sein Gesprächspartner, ein etwa 30-jähriger Mann, dessen Muskeln im engen Poloshirt zur Geltung kommen, antwortet mit einer Ernsthaftigkeit, die sein Gegenüber sichtlich beeindruckt: „Mit einem Baseballschläger. Den habe ich immer im Auto“.

Der Raum füllt sich weiter. Mitten im Gedränge sehe ich einen Vater mit seinem Kind, der vom Anblick her südländischer Abstammung zu sein scheint. Er wird von vielen begrüßt, ist nicht zum ersten Mal hier. Auch sein Sohn hat sichtlich Spaß.

Kurz bevor die Veranstaltung offiziell beginnt, sind etwa 120 Personen da und es drängeln noch immer neue Teilnehmer hinein, die einen Stehplatz suchen. Plötzlich kommt ein Mann zu mir, stellt sich vor und fragt, wer ich sei und wie ich von der Veranstaltung erfahren habe. Ich erzähle ihm, dass ich mich über die AfD und einen möglichen Beitritt informieren möchte und ich den Termin beim Kennenlerntreffen erfahren habe. Er bedankt sich, geht zur nächsten Person, gleiches Prozedere. Dann bitten die fünf Leute vorne am Tisch um Ruhe.

Zuerst geht es um die Unterschriftenzahlen aus den Bezirken. Während sich der Vertreter aus Friedrichshain-Kreuzberg über die wenigen Unterschriften ärgert und seinen Frust über Attacken auf seine Wahlkampfstände ausdrückt, sieht es in Marzahn-Hellersdorf ganz anders aus: viele Unterschriften, kaum Angriffe. Für die AfD ist das kein überraschendes Ergebnis. Mittlerweile kennt man seine „linksversifften Feindgebiete“, wie die Parteimitglieder Bezirke wie Kreuzberg oder Neukölln nennen. Ein ehemaliger Polizist wird ans Mikrofon gebeten – um Sicherheitstipps für die Arbeit an Wahlkampfständen zu geben. Nachdem er die Antifa als Terrororganisation bezeichnet und die komplette linke Szene mit dem IS vergleicht, rät er den Parteimitgliedern sich defensiv zu verhalten. Den Stand mit dem Rücken an die Wand platzieren, um Angreifer von hinten auszuschließen, schon im Voraus Fluchtwege auskundschaften, gegebenenfalls Sicherheitswesten tragen. Den einzelnen aggressiven Stimmen aus dem Publikum, die sich wohl eine offensivere Strategie erhofft haben, redet er die Gewaltbereitschaft aus.

Wieder einmal habe ich das Gefühl, dass die AfD rechtsextreme Mitglieder anzieht, die sie eigentlich gar nicht haben möchte – auf die sie aber auch nicht verzichten kann. Die Partei möchte extrem sein, aber nicht extremistisch. Zu Beginn stand man noch der CDU nah, mittlerweile finden auch ehemalige NPD-Wähler zu der Partei. Sie scheint eine Verbindung zwischen Patrioten und Rechtsextremen herzustellen, eine Brücke zwischen der rechten Mitte und Rechtsaußen zu schlagen – und genau darin besteht ihre Gefahr. Sie vereint die zwei Wählerspektren, und lässt andere Parteien aus Sorge um diese Stimmen ebenfalls nach rechts wandern.

auf der AfD Demo
auf der AfD Demo
Foto: Jens Hollah

Das am heißesten diskutierte Thema des Abends ist Bushido. Der Berliner Rapper mit arabischen Wurzeln hat sich mehrfach positiv zur AfD geäußert. Per Twitter hat ihn die Partei dann zu ihrer Wahlparty eingeladen – was den Mitgliedern nicht gefiel. „Wir wollen mit so einem kriminellen Ausländer nichts zu tun haben“ und „wir können doch nicht unsere Feinde einladen“ heißt es aus dem Publikum. Keines der Mitglieder will Kontakt zu „diesem Mafioso“, alle fühlen sich von den Vorsitzenden hinters Licht geführt. Ein Mann im Anzug kommt nach vorne. Er ist breit gebaut, hat eine Glatze, sieht wütend aus. Er möchte sich auch zum Thema äußern, die Vorsitzenden wollen ihm das Mikrofon nicht geben. Er fängt an, ohne Mikro zu reden, bis die anfeuernden Rufe seines Namens zu laut werden und er das Mikrofon doch bekommt. Er redet sich in Rage, das bellende Schreien seiner Stimme füllt den Raum: „Wir verbünden uns mit Verbrechern, sind Sie denn noch ganz dicht?“ Trotz seiner Lautstärke übertönt das jubelnde und klatschende Publikum seine Rede. Beendet wird der offizielle Teil des Abends mit Bildern eines zerstörten AfD-Büros. Bei jedem Bild raunt ein Seufzen durch die Menge. Der Moderator sagt: „Hoffentlich bringt uns dieser Terroranschlag ein bis zwei Prozente mehr bei der Wahl.“ Während weitere Bilder kommentarlos an die Wand projiziert werden, verlassen die ersten den Raum. Ich schnappe mir einen Zettel mit den Terminen für die Wahlkampfstände in Friedrichshain-Kreuzberg und gehe auch.

3. Am Wahlkampfstand in Friedrichshain

Die Wahl rückt näher, und die AfD kämpft weiter um Unterschriften, um in allen Bezirken antreten zu dürfen. Besonders Friedrichshain-Kreuzberg bereitet ihr Sorgen. An diesem Freitag positionieren sich deshalb acht Mitglieder vor einem Supermarkt am Platz der Vereinten Nationen und sprechen Passanten an. Es ist bewölkt, ab und an nieselt es. Der Großteil der wenigen Passanten ignoriert die Parteimitglieder. Einige, vor allem ältere, bleiben jedoch stehen, unterschreiben auf dem Klemmbrett, sagen, wie toll sie die AfD finden. Endlich eine Partei, die sich traue, den Mund aufzumachen.

Afd-Stand
Der Wahlkampfstand am Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain
Foto: Jens Hollah

Zwei arabische Jugendliche beobachten im Vorbeigehen mit Kopfschütteln den Stand der AfD. Angesprochen werden sie nicht. Auch die vielen Asiaten, die vorbeikommen, werden meist ignoriert. Im Supermarkt stehen zwei Bäckereiverkäuferinnen. „Wo kommen die denn auf einmal her? Hast du die schon öfter hier gesehen?“, fragt die eine. „Nee, zum Glück nicht“, antwortet ihre Kollegin. Draußen schiebt ein junger Mann sein Fahrrad über den Platz, Sonnenbrille, braune, lockige Haare unter dem Basecap. „Entschuldigen Sie, wollen Sie uns vielleicht mit einer Unterschrift helfen, damit wir zur Wahl antreten können?“, fragt eine AfD-Frau den Mann. Er schlägt ihr das Klemmbrett aus der Hand. Der Parteifreund hinterm Stand bemerkt den Zwischenfall und ruft dem Mann hinterher: „Sie werden schon sehen, was Sie davon haben. Bei dieser Wahl kratzen wir an den 20 Prozent, bei der nächsten werden wir 30 Prozent bekommen!“

Nach vier Stunden packen die Parteimitglieder die Klemmbretter und Flyer in ihre Rucksäcke und tragen die Einzelteile ihres Standes zu einem Transporter. Der kahlköpfige Mann, der die Sachen ins Auto räumt, ruft einem noch hinterher: „Sehen wir uns beim nächsten Treffen?“. Der Angesprochene dreht sich um, hebt die Faust und ruft: „Auf jeden Fall, wir geben nicht auf!“

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