Trump wäre besser Künstler geworden

Interview: Knorkator

Ehre, wem Ehre gebührt: Die Columbiahalle heißt neuerdings Knorkatorhalle. Warum das so ist, ob man die Menschheit noch retten kann und warum die neue Platte der Berliner Ulk-Rocker fast zu kurz geworden wäre, wollten wir von Alf Ator wissen

„Wir sind Vollblutmusiker“: Gitarrist Buzz Dee, Bassist Rajko Gohlke, Sänger Stumpen, Schlagzeuger Nick Aragua und Alf Ator (v.l.n.r.)
Foto: Denis Liebscher

Die selbsternannte „meiste Band der Welt“ feiert ihren 25. Geburtstag. Und zwar mit einem neuen Album namens „Widerstand ist zwecklos“, das – wie gewohnt von Knorkator – laut und grell geworden ist. Und mit gleich drei Konzerten in der Columbiahalle, die bis dahin tatsächlich Knorkatorhalle heißt. Warum das so ist, erklärt  Keyboarder und Texter Alf Ator.

Herr Ator, was verbinden Sie mit der Columbiahalle?

Wir haben die Columbiahalle, seitdem wir groß genug waren, sie überhaupt bespielen zu können, sehr lieb gewonnen. Sie ist optimal. Das hängt damit zusammen, dass trotz des Fassungsvermögens von 3.500 Menschen alle sehr nahe sind. In vielen Hallen kann die letzte Reihe das minimalistische Zeug, was der Stumpen als Frontmann abzieht, gar nicht mehr sehen. Dieses Wissen, dass man in der Columbiahalle steht und selbst die letzte Reihe erkennt, wenn Stumpen sich in der Nase popelt – das gibt einem ein sehr schönes Gefühl.

Warum heißt die Halle jetzt Knorkatorhalle?

Der Besitzer der Columbiahalle kam im Zuge unseres 25. Bandgeburtstages mit dieser verrückten Idee um die Ecke, die Halle umzubenennen. Trotzdem muss ich sagen: Dass Gebäude, Straßen und Plätze nach einem benannt werden – da muss man schon was darstellen. Und ich bin ja der Meinung, dass wir eigentlich noch nicht so viel erreicht haben, dass uns das zusteht. Aber wir nehmen das unverdienterweise natürlich gerne an.

Auf Eurem neuen Album „Widerstand ist zwecklos“ spielen Themen wie Klimawandel und Konsumgier eine große Rolle. Wie stehen Sie zu diesen Problemen?

Es gibt auf dieser Welt schon genügend Klugscheißer, die zu allem irgendeine Meinung haben. Ich bin kein Fachmann. Ich kann mir auch nur aus dem, was mir die Medien liefern, irgendetwas ziehen, was ich für plausibel halte. Aber unterm Strich ist es, glaube ich, so: Wir müssen uns höchstwahrscheinlich vom Wachstum verabschieden. Jeder Politiker, jeder Wirtschaftsexperte würde mir wahrscheinlich alles um die Ohren schmeißen. Aber Wachstum ist meiner Meinung nach lediglich ein Mittel, um nicht ganz so auf Gerechtigkeit achten zu müssen. Wenn alles ein bisschen wächst, dann fällt auch für die Ärmsten der Armen noch etwas ab. Doch wenn das Wachstum in einer endlichen Welt an seine Grenzen stößt, ist man gezwungen, sich über Alternativen zu unterhalten. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn Wachstum ist wie eine Schmerztablette: Der Patient jammert nicht, und man kann viel Geld damit verdienen. Die Verwerfungen sind mittlerweile so groß, dass eigentlich ein Wunder passieren müsste. Ich sehe das Ganze schon ziemlich apokalyptisch.

Die Menschheit ist also nicht mehr zu retten?

Ich bin gespannt. Ich genieße erst mal die Show und wir werden sehen, wie das ausgeht. Aber im Ernst: Ich betrachte diese ganze Entwicklung, die da weltweit stattfindet, natürlich nicht komplett unemotional und von außen, das betrifft ja auch mich.

Warum ist das Album so politisch engagiert geworden?

Das hat sich einfach so ergeben. Die Themen waren halt sehr präsent. Die großen Probleme, die wir heutzutage haben, sind zwar nicht mit ein paar einfachen Worten zu beschreiben. Ein Lied funktioniert als Lied aber immer sehr gut, wenn man einen geilen Slogan hat und das Volk mitpfeifen kann. Wir wollten weder endlose langweilige Zusammenhänge formulieren, noch ganz platt einer bestimmten Gruppierung nach dem Mund reden. Dieser Drahtseilakt ist die eigentliche Herausforderung, der wir uns stellen mussten.

Einfache Überschriften für komplexe Probleme: Hättet Ihr auch in die Politik gehen können?

Wir sind Vollblutmusiker durch und durch. Und als Musiker sind Charaktereigenschaften von Vorteil, die für einen Politiker katastrophal wären. Die Kompromisslosigkeit eines Künstlers, dieser völlige Egotrieb – das sind in der Politik meistens eher die Arschlöcher, die nur Unglück säen. Trump zum Beispiel wäre wahrscheinlich ein besserer Künstler als ein Politiker. Wer weiß, vielleicht ändert er seine Karriere ja noch mal.

Warum wäre trotz der vielen Themen Euer aktuelles Album fast zu kurz geraten?

Ich hatte sieben Songs, plus zwei Coversongs in petto und Stumpen hatte auch an einem Song gewerkelt. Das waren dann insgesamt zehn Songs. Aber das Album war einfach zu kurz. Es waren natürlich Ideen da: Arrangementfetzen, die man so sammelt. Ich schmeiße ungern was weg. Und dann dachten wir: Lass uns doch übriggebliebende Gitarrenriffs und Melodien sinnlos aneinanderreihen und uns darüber auslassen, dass wir ein Problem haben, dass die Platte zu kurz ist. Deswegen heißt der letzte Song „Zu kurz“.

Do 5.12., Fr.6.12., Sa 7.12., 20 Uhr, Knorkatorhalle, Columbiadamm 13–21, Tempelhof, 6.+7.12. ausverkauft, VVK 35,15 €; Sa 28.3.20, Waschhaus Arena, Potsdam