»Slayer können einpacken«

Interview mit „Acht Eimer Hühnerherzen“

Achtung Ironie! Acht Eimer Hühnerherzen sind kein Fun-Punk, aber trotzdem seine Rettung. Ein Gespräch über Kuchenessen, Klamauk und Kinder

Eigentlich sind Acht Eimer Hühnerherzen eine Allstar-Band: Hinter den Pseudonymen von Sen Bottrop am akustischen Bass und Schlagzeuger Bene Diktator verbergen sich altbekannte Gesichter aus Berliner Bands wie Terrorgruppe, Diving For Sunken Treasure oder Incredible Herrengedeck. Und auch Sängerin, Texterin und Gitarristin Apokalypse Vega ist keine Unbekannte: Im echten Leben ist sie Künstlerin. Zusammen spielen die drei seit 2016 akustischen, sympathisch schrammelnden Punkrock, über dem Frau Vega solch drängende Themen wie „olle Schlüpper“, „Möpse aus Beton“, einen „Cowboy mit Einbauküche“ oder den Charme von Eisenhüttenstadt besingt.

Warum Hühnerherzen?
Apokalypse Vega: Warum nicht?

Weil es eklig ist.
AV: Zugegeben, es ist ein bisschen fragwürdig.

Und warum dann gleich acht Eimer?
AV: Weil fünf Eimer zu wenig sind. Und weil es scheiße klingt.
Sen Bottrop: Vega wollte uns Fünf Eimer Hühnerherzen nennen, aber das war phonetisch nichts. Acht Eimer klingt gut.

Denkt Ihr denn gar nicht an Eure Fans, die Vegetarier sind?
Bene Diktator: Sollen sie doch Kuchen essen!
AV: Wir denken ja auch nicht an die Veganer.
SB: Nie. Obwohl Vega ja selber Veganerin ist.
AV: Aber ich sehe, wenn ich den Namen höre, auch kein Blut. Das ist eine abstrakte Vorstellung. Wir haben damals gar nicht nach einem Bandnamen gesucht. Aber ich saß in einem Restaurant und am Nebentisch erzählte jemand von einer Performance mit fünf Eimern Hühnerherzen. Danach hab ich das nicht mehr aus dem Kopf gekriegt.

Acht Eimer Hühnerherzen
Acht Eimer Hühnerherzen
Foto: Veruschka Bohn

SB: In manchen Falafelläden gibt es Hühner­herzen am Spieß und frittiert.
AV: Quatsch.
BD: Ich hab Hühnerherzen bei Rewe gesehen.
AV: Das will ich alles gar nicht wissen. Ich muss bei Hühnerherzen daran denken, dass das Reste sind: die letzten übrig gebliebenen Bestandteile von Vögeln, die nicht mehr fliegen können.
BD: Weggeworfene Herzen von Vögeln, die noch nie geflogen sind.
SB: Wie traurig ist das denn? Dieser Bandname ist eigentlich brutaler als Slayer oder Napalm Death. Die können alle einpacken.

Seid Ihr – jetzt nicht beleidigt sein – eine Klamauk-Punkband?
Alle: Nein, gar nicht, auf keinen Fall.
AV: Wir lachen zwar viel, wenn wir proben. Auch auf Konzerten, da lachen wir die Fehler weg. Aber Klamauk ist so negativ.
BD: Klamauk ist Dieter Hallervorden.
AV: Wenn wir es Dada nennen, dann kann ich damit leben.
SB: Dada mit Fun.
Alle: Ja!

Okay, kein Klamauk. Aber Eure Musik hat zweifellos Humor. Ist Punk nur noch mit Humor zu ertragen?
SB: Der Protopunk von 1976, 1977 hatte schon Humor. Der frühe Punk hatte bösen Spaß, war durchaus satirisch. Der Fun-Punk der 80er-Jahre war dann eigentlich schon nicht mehr komisch.
AV: Und heutzutage hat Punk eigentlich nicht mehr soviel Humor.

Ihr seid noch nicht allzu bekannt, beim Googeln findet man nicht viel. Wenn man „Acht Eimer Hühnerherzen“ eingibt, kommt als einer der ersten Treffer allerdings ausgerechnet ein Text aus der Osnabrücker Zeitung: „Facebook-Seite ‚Worst of Chefkoch’ präsentiert missratene Rezepte“. Da geht’s aber nicht um euch?
SB: Kennt ihr die Seite? Ich like die oft. Da geht’s um Mett-Igel.
BD: Ja, der darf auf keiner Party fehlen. Aber generell: Wir sind nicht so die Internet-­Typen. Oder, Vega?
AV: Gar nicht. Aber wir haben immerhin eine Facebook-Seite.
SB: Aber ansonsten: Kein Instagram, wir chatten nicht, wir stalken nicht, wir halten uns eher selten auf in diesem Internet. Wir gucken auch nicht zu, wie andere da ihr Essen posten…
AV: Na, du ja offensichtlich doch. Ich bin gerade ja etwas schockiert.
SB: Na, das ist doch kein Essen, das ist…
BD: Food-Horror.
SB: Klamauk!

Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt und die Band gegründet?
AV: Oh, welche Geschichte soll ich denn erzählen?

Gibt es denn verschiedene?
AV: Ja, wir haben verschiedenen Legenden entworfen für verschiedene Medien.
BD: Nein, wir haben alle nur ein schlechtes Gedächtnis.
AV: Wir kannten uns. Vom Tischtennis.
SB: Vom Punkkonzert.
AV: Wir kannten uns jedenfalls. Und dann haben wir uns mal getroffen und ich habe den anderen beiden ein paar Lieder vorgestellt, die ich allein im einsamen Kämmerlein geschrieben hatte.
SB: Ein Liedertreffen draußen im Park. Wir haben uns lange immer im Park getroffen, da heben wir rumgeklampft. Damals kamen schon immer Touristen vorbei, blieben stehen und haben gefragt, ob wir das professionell machen. Und da haben wir uns gesagt: Komm, diese Lieder sind gut, die verkaufen wir jetzt an richtige Musiker, die was können.

Aber niemanden wollte genug zahlen?
SB: Nein, wir haben niemanden getroffen, den wir für würdig erachtet hätten, das zu spielen. Und dann haben wir unsere ersten Gigs gespielt.
BD: Unser zweiter Auftritt war auf einer Beerdigung. Eine sehr schöne Beerdigung. Wir waren so gut, dass wir hinterher vom Bestatter gefragt wurden, ob wir nicht öfter bei Beerdigungen spielen wollen.
AV: Da haben wir einen Moment drüber nachgedacht, ob wir eine Beerdigungsband werden. Es sterben jetzt ja auch viele Punkrocker. Und es gibt so wenige gute Beerdigungsbands.

Ihr habt alle Kinder. Wie finden die eure Musik?
AV: Meine finden sie cool.
SB: Meine Tochter mag es nicht so sehr, wenn unsere Musik von CD kommt, aber wenn wir ihr live bei einer kleinen Probe was vorschrammeln, dann mag sie es.
BD: Meiner ist noch zu klein.

Live: Fr 4.5., 17-24 Uhr, beim Ball der Inclusion, SO367, Oranienstr. 190, Kreuzberg, Eintritt frei

Record-Release-Party: So 20.5., 20.30 Uhr, Monarch, Skalitzer Str.134, Kreuzberg

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