Interview mit Jasna Fritzi Bauer

»Selbst im Arbeiten bin ich oft faul«

Jasna Fritzi Bauer über Langeweile, Stalker und ihren neuen Film „Abgeschnitten“

Jasna Fritzi ­Bauer wird im Februar 30 – und sieht immer noch aus wie 18. Die Berliner Schauspielerin kann auf einige eindrucksvolle Rollen verweisen, etwa in „Ein Tick anders“, „Barbara“, „About a Girl“ oder „Axolotl Overkill“.

Frau Bauer, Ihr neuer Film „Abgeschnitten“ ist ein waschechter Mainstream-Thriller. Brauchte es viel Überzeugungsarbeit, Sie für ein solches Projekt zu gewinnen?
Nö, da habe ich keine Berührungsängste. Und ich hatte Lust, mit dem Regisseur Christian Alvart zu arbeiten. Wir kannten uns zwar vorher nicht, aber er hat viel mit meiner besten Freundin Mavie Hörbiger zusammengearbeitet. Und beim ­Casting haben wir dann eigentlich auf Anhieb gemerkt, dass wir uns gut verstehen, auch wenn es dann noch eine ganze Weile gedauert hat, bis ich die Rolle hatte. So war es dann am Ende auch wirklich eine Arbeit, die sehr viel Spaß ­gemacht hat. Und anschließend hat er mir sogar extra eine kleine Rolle in seine Serie „Dogs of Berlin“ hineingeschrieben.

Jasna Fritzi Bauer
Bedroht: Jasna Fritzi Bauer in „Abgeschnitten“
Foto: Warner Bros.

Ist mit wem Sie arbeiten für Sie wichtiger als zum Beispiel Ihre Rolle?
Das kommt auf die Umstände an. Es gibt schon Fälle, wo das Drehbuch vielleicht nicht bis ins Letzte überzeugt, aber ich mich darauf freue, mit einem Regisseur oder ­bestimmten Kollegen zusammenzuarbeiten. Aller­dings darf die Rolle natürlich auch nicht kompletter Schrott sein. Wobei … wer weiß: Wenn Martin Scorsese anklopft, würde ich mit ihm vielleicht auch Rosamunde Pilcher verfilmen (lacht).

Dass Sie mit Ihren 29 Jahren in „Abgeschnitten“ zur Abwechslung mal keinen wütenden Teenager spielen, hat sicher doppelt dazu beigetragen, Ihr Interesse zu wecken, oder?
Absolut! Endlich habe ich mal altersgerecht gespielt (lacht). Aber auch das Genre fand ich unglaublich spannend, denn Horror- und Psychothriller gibt es ja in Deutschland sonst eigentlich kaum.

Wie genervt waren Sie denn davon, als Erwachsene noch jahrelang als Schülerin besetzt zu werden?
Das war schon manchmal mühsam. Des­wegen habe ich mir dann bei „Axolotl Overkill“ auch gesagt, dass es das letzte Mal ist, dass ich so eine Rolle spiele. Und tatsächlich haben das seitdem auch einige Leute begriffen, auch Regisseure und Caster. Allerdings will ich natürlich auch in diesem Fall nichts prinzipiell ausschließen. Es macht nur halt nicht mehr so viel Spaß, schließlich werde ich jetzt 30 und spiele solche Rollen schon seit 15 Jahren.

Die Frau, die Sie in „Abgeschnitten“ spielen, wird von einem Stalker verfolgt. Ist das Thema Stalking eines, über das man sich als Frau im Licht der Öffentlichkeit automatisch Gedanken machen muss?
Zumindest hatte ich damit schon Berührungspunkte, nicht zuletzt bei Freunden von mir. Instagram, Facebook und ­Twitter haben auf jeden Fall dafür gesorgt, dass es die Leute sehr viel weniger Überwindung kostet, jemand Fremden anzuschreiben. Das nimmt definitiv zu. Ich ­bekomme ­jedenfalls sehr viele sehr merkwürdige Nachrichten. Oder es gibt Leute, die zum Beispiel von einer Freundin geblockt wurden und dann über mich versuchen, an sie heranzukommen. Und eine Kollegin wurde auch schon mal von einem Stalker angegriffen.

Trotzdem sind Sie noch auf Instagram …
Tja … Natürlich bin ich in diesem Job immer eine Projektionsfläche, und es gibt ja auch abends in der Bar Menschen, die glauben, sie kennen mich, nur weil sie drei Filme mit mir gesehen haben. Aber man muss einfach ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie man soziale Medien nutzt und was man dort von sich zeigt und preisgibt.

Sie haben mal in einem Interview gesagt, Sie seien eigentlich in der Regel immer erst einmal gelangweilt. Ist Langeweile tatsächlich Ihr Normalzustand?
Eigentlich schon. Wobei der Knackpunkt natürlich das Verständnis des Wortes Lange­weile ist. Ich finde es fantastisch, wenn man sich langweilen kann und das aushält. Auf jeden Fall passiert es mir oft, dass ich nicht weiß, was ich machen soll. Oder ich langweile mich, wenn ich unterfordert bin. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mehr Input brauche als andere. ­Deswegen bin ich zum Beispiel auch ständig an meinem Handy. Das fassen viele immer als Affront auf, dabei kann ich mich problemlos währenddessen unterhalten. Nur eine Sache zu tun, langweilt mich schnell, aber nicht aus Desinteresse, sondern weil das meinem Gehirn scheinbar zu wenig ist.

Also ist Nichtstun für Sie der Albtraum?
Nein, darin bin ich Weltmeister. Denn wie gesagt: Ich liebe die Langeweile. Und ich bin übrigens auch faul.

Wenn man sich die Liste Ihrer Film- und Theaterprojekte ansieht, bekommt man den gegenteiligen Eindruck …
Arbeiten tue ich viel, aber sonst bin ich meistens faul. Und selbst im Arbeiten bin ich oft faul. Zumindest passiert es mir sehr regelmäßig, dass ich denke: „Mensch, den Text hättest du dir auch mal ein bisschen früher angucken können.“ (lacht) Wahrscheinlich sollte ich mal lernen, nicht nur unter Druck und last minute zu arbeiten. Das war ich lange Zeit gewohnt, weil es notwendig war. Aber wenn man drei Monate vorher schon weiß, was auf einen zukommt, gibt es ja eigentlich keinen guten Grund, zwei Tage vorher mit der Vorbereitung zu beginnen.