»Was heißt Volkskultur in Zeiten des WWW?«

Interview mit Rainald Grebe

Der Musikkabarettist Rainald Grebe über Volkskultur und seine Weltfestspiele „Halleluja Berlin“ in der Wuhlheide

Interview: Friedhelm Teicke

Herr Grebe, Ihr zwei Jahre alter Song zur Abhör­affäre um Merkels Handy ist nach wie vor sehr aktuell. Bei aller Ambivalenz, freut es einen Kabarettisten nicht auch, wenn eine Nummer eine lange Halbwertzeit hat?

Mit Freude hat das nichts zu tun, aber Kabarett ist schon ein komisches Genre, weil es Tages­aktuelles wie Zeitloses vermischt. Ich schreib jetzt wieder neue Songs, und natürlich frage ich mich da mitunter, kennt den Namen in drei Jahren noch jemand? Oder ist das Thema noch relevant?

„Ich werd das hier nicht ändern, ich werd nur drüber singen“, heißt es in einem Ihrer Songs. Wollen Sie wirklich nichts verändern?

Da wäre ich besser Politiker geworden. Natürlich greife ich politische Themen auf, mich interessiert sehr der Volksbegriff. „Wir sind das Volk“, schreit Pegida. Was können wir da machen? Ich habe jetzt Lieder geschrieben wie „Ich bin die Stimme des Volkes“. Volk – was ist das heute? In Hamburg habe ich am Thalia einen Abend über Volksmusik gemacht, in Köln ein Stück über Karneval. Was heißt Volkskultur in Zeiten des WWW?

Ihr Konzert in der Waldbühne sollte ein­malig bleiben. Nun geht’s aber doch wieder auf Stadion­größe.

Ja, da bin ich wortbrüchig geworden. Ich finde das unglaublich, dass so etwas möglich ist: Dieses Spektakel machen zu dürfen, sich dafür große Bilder und fliegende Schweine auszudenken, aber mit dem Zeug, was ich mache. Die sogenannte Kleinkunst groß zu denken und damit zu spielen, ist die Herausforderung und auch der Spaß daran. Auf der einen Seite geht es ums satirische Kontern, etwa wenn wir ein Bio-Feuerwerk mit nachhaltigen Holzraketen machen.

Und Sie reanimieren die Weltjugendfestspiele?

Ich thematisiere die Geschichte des Ortes, wo 1973 die Weltjugendspiele stattfanden. Deshalb habe ich Turner dabei, die ihre Margot-Honecker-Keulen schwingen. Und auch viele Chöre, Gotthilf Fischer kommt und macht die Zuschauer zum Fischerchor. Dieses augenzwinkernde Zitieren von Groß­event-Bestandteilen ist ein großer Spaß.

Also eher ironisch.

Was heißt das schon – Ironie? Ich will irritieren. Es geht um Theater, es ist Theater!

Sa 20.6., 19.30 Uhr, Kindl-Bühne Wuhlheide, An der Wuhlheide 187, Oberschöneweide, von und mit Rainald Grebe & Das Wuhl­orchester, Gotthilf Fischer, Thomas Quasthoff, Olaf Schubert, Hans Krüger, Eintritt 42 Euro

Foto: PHOTOpress-Europa / Riethmueller