Wes Anderson

Isle of Dogs ­– Ataris Reise

In einer Hinsicht ist Wes Anderson ein Filme­macher in der Tradition von Leo ­McCarey und Howard Hawks. Dabei geht es um die Struktur der erzählten Geschichten, die nicht unbedingt einem ­geradlini­gen Plot folgen. Sie wirken eher wie ein ­Puzzle aus amüsanten Einzelteilen. Die Holly­wood-Altmeister McCarey und ­Hawks füllten die Löcher im Plot ihrer Screwball-­Komödien mit Gags, bei Anderson ­bleiben diese Löcher stets spürbar. Sie machen die Atmosphäre seiner Filme aus, diese sehr ­spezielle Mischung aus Melancholie, ­Exzentrik und trockenem Humor.

Isle of Dogs
Der Junge Atari und seine tierischen Unterstützer
Foto: Twentieth Century Fox

Auch Andersons jüngster Film „Isle of Dogs“ ist schon per Definition eine Bastel­arbeit: ein aufwändiger Stop-Motion-Animationsfilm. Anderson beginnt mit ­einem kleinen Prolog, der davon erzählt, wie in einer fernen Vergangenheit der ­Katzen ­liebende Kobayashi-Clan in Japan die ­Hunde auszurotten versucht.

Die Fortsetzung dieser Geschichte verlegt der Regisseur nun in eine nahe Zukunft, in der einer der Kobayashis als Bürger­meister die Stadt Megasaki regiert. Die ­dortigen Hunde leiden an Krank­heiten wie Hundegrippe und Schnauzenfieber, weshalb der Beschluss gefasst wird, sie auf eine der Küste vorgelagerte Müll-Insel zu verbringen – und dort sich selbst zu überlassen. Dem Bürgermeister entgegen tritt sein entfernter ­Neffe Atari, der sich auf die Müll-Insel begibt, wo er mit einer Gruppe von Hunden nach ­seinem Vierbeiner Spots zu suchen beginnt.

Hier entfalten sich die Motive, die man auch aus anderen Anderson-Filmen kennt: Eine langwierige, von vielerlei Plänen begleitete Suche und die Idee einer Wahlverwandtschaft von Individuen mit ähnlichen Interessen.

Der maßgeblichste Aspekt in einem Anderson-Film ist jedoch immer die ­Frage, wer zur Gruppe dazugehört und wer nicht. Denn im Kern erzählt „Isle of Dogs“ noch eine ganz andere Geschichte: die der ­Domestizierung des Hundes Chief, des einzigen Streuners der zusammengewürfelten Truppe. Sie ist in Andersons von Exzentrikern, Neurotikern und Egoisten bevölkertem Universum der Ausdruck für den ihm wohl wichtigsten Gesichtspunkt: dass wir nicht allein auf der Welt sind, und dass sich ein besseres Leben gestalten lässt, wenn man in der Lage ist, Gefühle zuzulassen. Es bleibt Wes Andersons ewiger Wunsch­traum. 

USA/D 2018, 101 Min., R: Wes Anderson

Isle of Dogs – Ataris Reise