Westbams Club-ABC:

J wie Joe

„Joe“ muss ein toller Typ gewesen sein. Vier Riesenlocations hatte er im Berlin der 80er Jahre, die er jeweils nach sich selbst benannte: im Wedding, an der Hasenheide, in der Hardenbergstraße und am Ku’damm.
Das „Joe am Kudamm“ war der Inbegriff von allem, was man in den Eighties scheiße fand, wenn man cool sein wollte: eine echte Touri-Location, tagsüber Bierhaus, abends Bar mit Tanzfläche für diejenigen, die das Big Eden zu schick oder überhaupt nicht fanden oder fürs Q-Dorf nicht um die Ecke gehen wollte. 
Tagsüber war das „Joe am Kudamm“ eine Location, die perfekt zu einem Publikum passte, wie wir es alljährlich zum DFB-Pokalfilnale erleben dürfen. Nett gesagt:  Bier trinkende Touristen in Landestracht. Abends war es eine vollkommen belanglose Disco mit einem bunten Mix an Chartmusik – meistens zumindest. Der Grund, aus dem ich den Laden erwähne, ist ein DJ, der mir in den frühen Jahren auffiel. Der konnte schon seit Ende der 70er Platten perfekt mischen, was seinerzeit echte Avantgarde war. Ich habe versucht, seinen Namen herauszufinden und was aus ihm geworden ist, bin aber in meinem Bekanntenkreis damit gescheitert. Vielleicht kann ja ein zitty-Leser weiterhelfen.  Ansonsten soll diese Kolumne hier ein Denkmal für den unbekannten DJ sein, der wie viele begabte DJs vollkommen zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Jener hier war wohl zu früh am falschen Ort.

Zeitraum: 80er Jahre
Ort: Mitten auf dem Kurfürstendamm
Typischer Track: Baltimora – „Tarzan  Boy“

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