Comic

Jacques Tardi: Stalag IIB

Ein Dokumentarfilm im Kino und eine Ausstellung im Literarischen Colloquium machen es gerade noch einmal überdeutlich: Der 1946 geborene französische Comic-Künstler Jacques Tardi ist einer der ganz Großen seiner Zunft.

ZITTY-Bewertung: 4/5
ZITTY-Bewertung: 4/5

Neben „Adeles ungewöhnlichen Abenteuern“ oder Adaptionen der Krimis seiner Landsleute Léo Malet und Jean-Patrick Manchette schuf Tardi vor allem einige denkwürdige Comics über den Ersten Weltkrieg.

Passend zur Ausstellung und dem Film „Tardi schwarz auf weiß“ wurden gerade „Grabenkrieg“ und „Elender Krieg“ neu aufgelegt. Außerdem erschien die seitenstarke Erstveröffentlichung „Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB“. Darin schöpft der stets unverkennbare Tardi den ersten Teil der niedergeschriebenen Erinnerungen seines Vaters ab. Der geriet als Panzerfahrer zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in deutsche Gefangenschaft und wurde in ein Lager in Pommern im heutigen Polen gebracht.

Renés Sohn bedient sich in seiner Geschichte des Kniffs, sich als Kind auf einer eigenen Ebene selbst in die Szenen an der Front und im Lager einzubauen, um so einen fiktiven Dialog mit dem verstorbenen Papa zu entwickeln. Das macht vieles noch persönlicher, während die Fakten oft bekannt sind. Tardi ist nicht der Erste und sicher auch nicht der Letzte, der die Schrecken und Gräuel des Krieges visualisiert. Was nichts daran ändert, dass Monsieur Tardis neuestes Werk eine weitere bemerkenswerte, eindringliche Comicbetrachtung dieser finsteren Stunde ist.

Aus dem Französischen von Christoph Schuler
Edition Moderne, Zürich 2013
190 Seiten, 35 Euro
Ausstellung noch bis 4. April im lcb, Wannsee