Berliner Projekträume

Das Rote Kreuz mit Jan van Esch

Im Seniorenzentrum entscheiden die Teilnehmer der Kartenrunde spontan, nach welchen Regeln sie spielen, wenn sich niemand mehr an die richtigen erinnern kann. Dann ist vielleicht auf einmal Karo Trumpf, solange alle einverstanden sind. Jan van Esch erzählt diese und weitere Episoden aus seiner Zeit beim Deutschen ­Roten Kreuz (DRK) in seinem Künstlermagazin „Red Cross Zine“.

 

Jan van Esch mit Waren für den Vintage-Laden des DRK. Foto: F. Anthea Schaap

Der 47-jährige Künstler hat sich besonders mit den zahlreichen Ehrenamtlichen dort auseinandergesetzt. Auf das Thema ist er über das „Artist-Dis-Placement“-Programm des Moabiter Projektraums und Atelierhauses Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) gestoßen. Das „Artist Dis-Placement“, Teil eines EU-geförderten größeren Programms, soll Künstler über die Grenzen der Kunstwelt hinweg mit Organisationen vernetzen, die – oft wenig beachtet – einen Teil der Infrastruktur einer Stadt ausmachen. So beschäftigte sich Viktor Vejvoda schon mit der Berliner Stadtreinigung, Alona Rodeh mit der Berliner Feuerwehr.

Von Dar es Salaam nach Berlin

Eigentlich wollte der niederländische Künstler, der Kulturanthropologie und ­Public Health  studierte, mit Geflüchteten arbeiten, war er doch selbst eine Art Neu­ankömmling in Europa. In Tansania war er gewesen, acht Jahre lang, wo er in Dar es Salaam den Kunstraum Nafasi Art Space betrieb. In Berlin dann kontaktierte das ZK/U für ihn das Rote Kreuz. Dessen Mitarbeiter machten jedoch auf ihre vielen  weiteren Aktivitäten aufmerksam: weni­ger öffentlichkeitswirksame, doch ebenso wichtige.
Urberliner am Werk,
So verschob sich van Eschs Schwerpunkt.  Fortan setzte er ihn auf die Motivation der Freiwilligen, die oft seit Jahren oder Jahrzehnten ihre Zeit für eine gute Sache einsetzen, sei es in der Kleiderkammer, im Seniorenzentrum, bei der Betreuung von Familien mit Frühgeborenen oder im Wärmebus. Eine Gruppe mit klaren Merk­malen, wie er berichtet. Die Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes seien fast alle in Deutschland, zum Großteil in Berlin geboren oder lebten seit mindestens 20 Jahren dort. Meist seien sie zwischen 40 und 70 Jahre alt, meist Frauen, viele von ihnen Rentnerinnen. „Das war eine Gruppe, die ich nicht kannte, obwohl ich seit fast 20 Jahren in sozialen Projekten arbeite.“
Van Esch führte Interviews, um mehr über die Beweggründe der Freiwilligen zu erfahren. Und er entwickelte ein Projekt, das sie mit Künstlern zusammenbringen soll, denn darum geht es ihm: „Mein Fokus liegt darauf, Menschen miteinander zu verbinden“, sagt er. Das mag naheliegend klingen, doch Ehrenamtliche und Künstler kommen bislang kaum zusammen.

Online Gebrauchtes Shoppen

Drawnclothes“ heißt das Projekt, das am Dienstag, den 23. Mai gestartet ist. Van Esch arbeitet mit einem Charlottenburger Secondhand-Laden des DRK zusammen, dessen Erlöse zu 100 Prozent dem Projekt „Frühchen-Patenschaften“ zukommen. Gemeinsam mit der Berliner Designerin Martiene Raven hat er Zeichnungen ausgefallener Kleidungsstücke aus dem Ladenfundus angefertigt. Die Illustrationen können zusammen mit den entsprechenden Stücken online oder im Laden ersteigert werden. Weitere Aktionen wie eine Upcycling-Kollektion der Designerin Mia Sommerfeld sollen folgen.

Am Eröffnungsabend ging das Konzept, die Welten zu verbinden, auf: Ehrenamtliche und Künstler standen im Gespräch zusammen. „Drawnclothes“ könnte erst der Beginn sein.

www.drawnclothes.de: Rotkreuzladen, ­Klausener Platz 9, Charlottenburg.
Di+Do+Fr 14–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr

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