Kino

Jeanne

Jeanne d’Arc – eine Figur aus dem 15. Jahrhundert, an der sich Frankreich seit ihrem patriotischen Märtyrertod abarbeitet: Wie passt dieser christliche Nationalismus in die Gegenwart? Bruno Dumont hat 2017 zuerst mit „Jeannette“ (läuft seit 26.12.) die Kindheit, nun mit „Jeanne“ die weitere Geschichte des heiligen Mädchens verfilmt. Dumont ist nicht gläubig, er will einen nationalen Mythos gehörig gegen den Strich bürsten. Man könnte auch sagen: Er will den Mythos in einen Zustand der Unschuld zurückversetzen. Jeanne ist bei ihm ein Backfisch, der mit den Schafen herumstreift, barfuß und immer ein Lied auf den Lippen. Sie singt vom Krieg, die Engländer sind im Land, ein guter Herrscher ist nicht in Sicht.

Jeanne d’Arc
Foto: Grandfilm

Dieser Tiefpunkt ruft förmlich nach einem Umschwung, dieser kommt auch in Form zweier Erscheinungen: zuerst die Ordensschwester Gervaise, und dann die Heiligen, die Jeanne auf ihre politische Mission schicken.

Was Dumont als Singspiel beginnen ließ, wird zu einem Metal-Musical, bei dem die Schwester ihre Kopfbedeckung abnimmt – und dann wird ordentlich geheadbangt. Laut Geschichte ist Jean da schon 19 Jahre alt, wird aber von einer Zehnjährigen gespielt. Dumonts Jean wirkt wie neugeboren. Der ganze Interpretationswust ist von wilden Riffs oder sanften Melodien weggeblasen. Ein Wunder, ganz ohne Firlefanz.

F 2019, 138 Min., R: Bruno Dumont, D: Lise Leplat Prudhomme, Jean-François Causeret, Daniel Dienne, Start: 2.1.

https://www.zitty.de/event/kino/jeannette-die-kindheit-der-jeanne-darc/