TOTENREQUIEM

Jedermann (stirbt)

Data Tavadses melancholische Inszenierung von Ferdinand Schmalz‘ Hofmansthal-Bearbeitung ist ein beeindruckendes, minimalistisches Requiem

Data Tavadses melancholische Inszenierung von Ferdinand Schmalz‘ Hofmansthal-Bearbeitung ist ein beeindruckendes, minimalistisches Requiem – Foto: Arno Declair

Jedermann lebt (noch). Der österreichische, mehrfach preisgekrönte Autor Ferdinand Schmalz schreibt Hugo von Hoffmannsthals „Jedermann“ von 1911 in die Gegenwart hinein. Aus dem prächtigen Lebemann wird ein cooler Abzocker in der Finanzwelt. Außerdem treten in unserer Wohlstandsgesellschaft auf: der arme Nachbar, der dicke und der dünne Vetter, Gott, die Buhlschaft Tod und der Mammon.

Der georgische Regisseur und Theaterleiter Data Tavadze aus Tiflis macht in direkter Publikums-Ansprache deutlich, dass Jedermann jede(r) von uns ist (der/die zum Beispiel auf der Premierenfeier seine Kontakte pflegt).

Hoffmannstahls ummauerter Lustgarten wird zur Festung Europa. Dieser Transfer funktioniert ganz mühelos im schlichten Bühnenbild (nur ein wenig Sand auf dem Boden, ein paar Stühle, Pflanzen, an den Seiten aufgestellte Mikrofone) und zeitlosen, schwarzweißen Kostümen.

Da Regisseur Data Tavadze kein Deutsch spricht, liegt sein Focus auf Klang und Rhythmus des Textes. Drei Musiker erschaffen dazu mit Bass, Posaune und Klarinette einen minimalistischen Klangteppich mit hypnotischer Wirkung. Die geflüsterten oder deklamierten Worte sickern dort hinein wie in eine Vision oder einen Alptraum. Ein beeindruckendes Requiem auf unsere „gute Gesellschaft“. REGINE BRUCKMANN

7. + 28.3., 20 Uhr, Deutsches Theater Kammerspiele, Schumann­str. 13a, Mitte. Regie: Data Tavadze; mit Jörg Pose, Lorena Handschin, Natali Seelig, Paul Grill, Niklas Wetzel. Eintritt 23–30, erm. 9 €