Allegorientheater

Jedermann

Die Aufführung in der Potsdamer Nikolaikirche bebildert das symbolische Stück eher, als sich inhaltlich damit auseinander zu setzen

„Jedermann“ in Potsdam – Foto: Carsten Böttinger/Produktion

Ein moderner „Jedermann“ sollte es werden in der Potsdamer Nikolaikirche, dieser Anspruch löst sich nur teilweise ein. Der prägnanteste inszenatorische Zugriff auf das allegorische Spiel vom Sterben des reichen Mannes sind die Videoprojektionen.

Die Decke bröckelt, das Räderwerk des Mammons arbeitet, im Moment der Läuterung bricht der Himmel auf und meist sieht die Welt des sündigen Jedermanns aus wie der Tanzschuppen in „Babylon Berlin“. Daniel Bandkes beeindruckendes und klug gestaltetes Videodesign verwandelt den Raum und gibt visuelles Futter, während die restliche Inszenierung eher statisch und vorhersehbar abläuft.

Das Schauspielensemble agiert auf sehr unterschiedlichem Niveau, spannendste Besetzung ist Georgette Dee als der Tod. Der vermeintlich bedrohliche Antagonist ist bei ihr ein freundliches, leicht ironisches Wesen, das auch noch wunderschön singt. Da ist man kurz in den Händen einer großen Geschichtenerzählerin und hört Hofmannsthals Texten mit ganz neuer Aufmerksamkeit zu. Ansonsten bleibt es meist beim Deklamationston. Nur selten hat man den Eindruck, dass die Inszenierung nach der Bedeutung des Stücks für die Gegenwart fragt. Hier bleibt viel Potential ungenutzt. SUSANNE STERN

24.-27.10. + 30.10., 20 Uhr, St. Nikolaikirche, Alter Markt, Potsdam. Regie: Christian A. Schnell, mit Timothy Peach, Georgette Dee, Max Schautzer u.a., Eintritt: 33-44 €