KÜNSTLERDRAMA

Jeff Koons

Vier junge Darsteller geben in einer multimedialen Neuentdeckung von Rainald Goetz’ Stück richtig Gas

Kunst-Puzzle: Kay Bartholomäus Schulze, Damir Avdic, Romain Frequency, Iris Becher, Lukas Turtur – Foto: Arno Declair

Rainald Goetz ist mittlerweile 64 Jahre alt. Der Kultautor ist auch als Dramatiker hervorgetreten, doch die Theater haben diesen Avantgardisten kaum ausprobiert. Vielleicht weil er mit seinen sperrigen, provozierenden Dramen wie „Krieg“ (immerhin im Spielplan des BE), „Festung“ oder eben „Jeff Koons“ das gängige Schauspieler-Theater immer hinterfragt und herausgefordert hat. Gut, dass sich das Ensemble, das die junge Regisseurin Lilja Rupprecht im Studio der Schaubühne um sich versammelt hat, auf Goetz’ Sprache, seine immer wieder überraschenden Assoziationsgeflechte eingelassen hat.

Eine anarchische Collage hat Rupprecht erstellt, eine theatrale Installation aus ­Videos, bildender Kunst, Comicfiguren, Spiel, Gesang sowie harten Live-Electro-­Beats des Musikers Romain Frequency. Und natürlich wird in diesen turbulenten zwei Stunden auch dem Kitsch gehuldigt, den der Künstler Koons zum Stilprinzip erhoben hat. Später fabriziert er mit einer Torte ein abstraktes Kunstwerk auf die Leinwand.

Eine inszenatorische Linie gibt es, Goetz folgend, nicht, abrupt wechseln die Szenen. Sex, Liebe, Kunst- und Kunstbetriebskritik, Menschen als Mull­bindenmasken-Aliens – einer wird, eingewickelt in Plastik, selbst zum Kunstwerk, Andy Warhol lässt grüßen. Kunst als Wahnsinn, regellos, so die Botschaft, und zuweilen auch eklig. Eine grelle Goetz-Factory. AXEL SCHALK

29., 30.6., 1.–3.7., 19.30 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersd., Regie: Lilja Rupprecht; mit Damir Avdic, Iris Becher, Kay B. Schulze, Lukas Turtur. Eintritt 15 €