Klima

„Zuhören lernen“

Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde, über den Handlungsspielraum von Kulturhäusern beim Klimaschutz

Das Museum für Naturkunde zählt zu den wenigen Berliner Kulturhäusern, die sich für das Publikum sichtbar mit der Klima­krise auseinandersetzen. Sein Team hat bis Ferienbeginn Schüler*innen nach den FridaysForFuture-Demonstrationen wissenschaftliche Klimavorträge angeboten, während der Ferien veranstaltet es nun mit dem Potsdam Institut für Klimafolgeforschung freitags Workshops für Schüler*innen. Zitty fragte Johannes Vogel, 56,  nach der Zukunft der Reihe, der Museumsdirektor antwortete schriftlich. 

Blick in die Fotoausstellung von  J Henry Fair mit Handlungsempfehlungen des Museums zum Klima­schutz
Foto: Hwa Ja Götz

Herr Vogel, wie lautet Ihre Zwischenbilanz Ihrer Veranstaltungen für Schüler und Schülerinnen von FridaysForFuture?

Es ist ein großer Erfolg. Wir passen zusammen, weil Wissenschaft und Jugend in so wichtigen Zukunftsfragen ein großes gemeinsames Anliegen haben, nämlich gehört werden zu wollen. Miteinander reden ist der Schlüssel. Das üben wir: etwas sagen und zuhören – auf beiden Seiten. Als Leibniz Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung sind wir ein wissensbasiertes Haus. In ihm kommt unser öffentlicher und wissenschaftlicher Auftrag zusammen. Gleichzeitig sind wir ein Ort, wo Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland, aber mit Schwerpunkt Berlin – Brandenburg, sich mit engagierten Schülerinnen und Schülern treffen.

Welchen personellen und finanziellen ­Aufwand bedeuten die Veranstaltungen für Ihr Haus und wie können Sie ihn ausgleichen? 

Der Aufwand ist nicht unerheblich. Wir gewähren freien Eintritt mit Schüler- oder Studentenausweis, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler investieren Zeit, und das Ganze muss koordiniert werden. Hier helfen die Robert-Bosch Stiftung, der Aktionsplan Forschungsmuseen und das ­Museum selbst. Aber: Wissenschaft muss sich der Gesellschaft öffnen und zuhören lernen – hier können wir und viele andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit und durch die F4F-Schülerinnen und -Schüler lernen. Das ist die Mühe wert.   

Die Kulturpolitische Gesellschaft hat die jüngste Ausgabe ihrer Zeitschrift einer „klimagerechten Kulturpolitik“ gewidmet. Was sähen die Grundzüge einer solchen Politik Ihrer Meinung nach aus?

Ich glaube, es wird immer deutlicher, dass Klimawandel nicht verhandelbar ist. Wir hatten die vergangenen 12.000 Jahre ein durchaus stabiles Klima, und in dieser Zeit ist die Menschheit sesshaft geworden, hat Ackerbau und Viehzucht perfektioniert und sich die natürlichen Ressourcen der Erde untertan gemacht. Die Frage muss also lauten: Wie stellen wir uns als Zivilisation darauf ein, dass die Zukunft des Menschen und seiner derzeitigen Kultur von der Erde abhängig ist – und nicht umgekehrt. Ich bin aber kein Katastrophenverkünder, sondern eher hoffnungsvoll, weil wir smart genug sind, auf dieser Erde für alle Menschen ein Leben in und mit der Natur gestalten zu können. Wir müssen es aber anders machen als bislang. Ich bin fest davon überzeugt, dass es sowohl die technischen, wissenschaftlichen, wie auch sozialen Lösungen für die derzeitigen großen Probleme auf der Erde gibt.

Generaldirektor Johannes Vogel
Foto: Hwa Ja Götz

In der ersten Ausstellung der Humboldt-­Box am Schloßplatz hat das Museum für Naturkunde gezeigt, wie eng Klima und Kultur miteinander verknüpft sind. Sind aus dieser Kooperation Folgeprojekte entstanden und wenn ja, welche?

Wir arbeiten eng mit dem Humboldt­forum zusammen. In Berlin können wir künftig durch unsere Häuser und mit Blick auf Alexander von Humboldt Kultur und Natur spiegeln.  

Und wie geht es nach den Sommerferien mit den Freitagsveranstaltungen weiter?

Wir bleiben offen für die Schülerinnen und Schüler, und ich gehe fest davon aus, dass die Demonstrationen weitergehen, denn es ist ein heißer Sommer. 

Bis 8.9.: Ausstellungen von Simon Faithfull, Sybille Neumeyer und  J Henry Fair, Museum für Naturkunde, Invalidenstr. 43, Mitte,
Di–Fr 9.30–18, Sa/So 10–18 Uhr, 8/5 €

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