Gips und Marmor

Skulptur: Die Finger des Johannes Wald

Das hat buchstäblich Hand und Fuß: ­Der Konzeptkünstler Johannes Wald zeigte in Steglitz, dass er gern Bildhauer wäre. Weitere Arbeiten sind noch in der Galerie Marzona zu sehen

©Johannes Wald / Courtesy VG Bild-Kunst, Galerie Daniel Marzona, Berlin; Galerie Greta Meert, Brüssel; Galerie Rolando Anselmi,
Johannes Wald untitled (hands of a ponderer) 2019 Gips, Schnur, Maße variabel, hier in der Schwartz’schen Villa
©Johannes Wald / Courtesy VG Bild-Kunst, Galerie Daniel Marzona, Berlin; Galerie Greta Meert, Brüsssel; Galerie Rolando Anselmi,

Mittels Kabel auf Körpertemperatur beheizte Marmorbrocken, eine Spiegelwand mit Sitzbank davor, Fuß und Handabgüsse an abseitigen Stellen der Ausstellung: Johannes Wald nutzt diese Elemente seiner Installation in der Schwartz’schen Villa von Steglitz, um Differenzen zu thematisieren – zwischen Kunst und ­Leben, Körper und Skulptur.

Johannes Wald, 1980 geboren und derzeit auch in der Galerie Marzona präsent, hat einmal über sich gesagt, er sehe sich als „Konzeptkünstler, der gerne ein Bildhauer wäre“. Mit der Skulptur setzt er sich in einem Gedankenraum aus­einander, in dem der Betrachter buchstäblich mit hineingestellt wird, etwa, wenn er sein Spiegelbild mit den Idealmaßen griechischer Plastik konfrontiert sieht, die aus einer ausgerissenen Abbildung hinter ihm an der Wand prangen.

Schließlich stellt sich Wald als Künstlersubjekt auch noch selbst mit in die Untersuchung. Er präsentiert die schaffenden Hände und die dienenden Füße seines Leibes als Pole im traditionellen Spektrum der Skulptur. So umgreifen die doppelt reflexiven Hände im Gipsabguss sich selbst (Foto) und schließen das traditionelle Künstlergenie mit seiner eigenen Leiblichkeit kurz. Und der Gipsfuß, als Türstopper platziert, hält den Ausstellungsraum offen für Interpretationen über den Wert von Kunst(-handwerk) zwischen ideeller und praktischer Funktion. Sehr anschaulich und bedenkenswert.

Arbeiten von Johannes Wald sind noch zu sehen bis
25.1.: Galerie Daniel Marzona, Marienstr. 10, Mitte, Mi–Fr 11–18, Sa 12–18 Uhr