Kino

Jojo Rabbit

Vielleicht ist es gut, dass Taika Waititi vom anderen Ende der Welt stammt. So sind ihm offenbar gegenüber dem Thema Nazis jegliche Hemmungen fremd. Er hat mit der Adaption von Christine Leunens’ Bestseller „Caging Skies“ eine Nazi-Satire der etwas anderen Art geschaffen.

Jojo Rabbit
Foto: Twentieth Century Fox

Hinter der Geschichte verbirgt sich im Grunde ein Melodram: Der zehnjährige Jojo Betzler (Roman Griffin) ist in einer deutschen Kleinstadt während des Krieges ein glühender Verehrer Adolf Hitlers. Das geht soweit, dass ihm der „GröFaZ“ (gespielt von Waititi selbst) in Visionen erscheint. In der Hitlerjugend hat es Jojo nicht leicht, was ihm den Spitznamen „Rabbit“ (Hasenfuß) eingebracht hat. Eines Tages kommt Jojos braunes Weltbild ins Wanken: Seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) versteckt in der Wohnung eine junge Jüdin. Elsa (Thomasin McKenzie) entpuppt sich als ziemlich schlagfertig. Bald muss Jojo die ihm eingetrichterten Vorurteile über Juden revidieren.

Taika Waititi gelingt das Kunststück, die widerlichen Nazi-Typen zwar als unglaubliche Deppen darzustellen – mit dem großen Sam Rockwell („Three Billboards …“) als debilem Offizier – sie aber nie zu verharmlosen. So entsteht ein Wechselbad der Gefühle – ganz großes Kino mit unglaublichen Einfällen, böse und irritierend, und doch von tiefem Humanismus geprägt. Wir empfehlen die englische Originalfassung.

USA 2019, 108 Min., R+D: Taika Waititi, D: Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Start: 23.1.

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