Liedermacherin

Judith Holofernes

Nachdem Wir Sind Helden im April 2012 bekannt gaben, für unbestimmte Zeit zu pausieren, konnten sich Fans mit dem ersten offiziellen Soloalbum von Frontfrau Judith Holofernes trösten. „Ein leichtes Schwert“ eröffnete der Sängerin eine Hörerschaft jenseits der Helden-Anhänger, setzte es doch ganz auf selbstironischen Jungelternpop, der auch schon mal das fröhlich-kindliche Kotzen in die mütterlichen Schuhe zum Thema hatte. Drei Jahre später schiebt Holofernes mit „Ich bin das Chaos“ elf neue Songs nach. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit einem Meister der melancholischen Miniatur, dem färöischen Songwriter Teitur, lassen sie den engen Kosmos der Elternschaft und damit des Privatlebens ihrer Protagonistin hinter sich. Stattdessen erzählen sie innerhalb von nur achtunddreißig Minuten Spielzeit vom täglichen Gefühlschaos Menschen mittleren Alters. Ihre bedeutungsschwere Alltagslyrik paart Holofernes mit Streichern und Rhodes, Dadaistisch-Klamaukiges mit Ukulele und Pocket Piano.

Dabei klingt ihre Stimme nicht mehr so pippilangstrumpfhaft wie auf dem laut Selbstauskunft „zerzausten Debut“, aber auch nie wie die einer 40-jährigen Frau. Gerade das aber macht den Charme dieser Songs aus, unter denen „Analogpunk“ mit seinen tollen Retrogrooves gar das Zeug zum heimlichen Sommerhit der Hauptstadt hat.

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