Kino

Juliet, Naked

Annie lebt seit 15 Jahren mit Duncan in dem britischen Küstenort Sandcliff zusammen. Von dort wollte sie eigentlich weggehen, nun hat sie sich an die Gleichförmigkeit ihres beruflichen wie privaten Alltags gewöhnt. Sie erträgt auch die Obsession ihres Lebensgefährten mit dem amerikanischen Musiker Tucker Crowe, der vor 25 Jahren in der Pause eines Konzertes spurlos verschwand, und dem Duncan eine eigene Website gewidmet hat, um die er sich mehr kümmert als um Annie.

 

Als eines Tages ein Brief eintrifft, der die Demobänder von Crowes finalem Album „Juliet“ enthält, reicht es Annie: „Juliet, Naked“ wird für sie zum Anlass, auf Duncans Website eine Abrechnung mit dem Kult um den Musiker zu posten. Woraufhin sie eine zustimmende Mail erhält – von Crowe persönlich. Der gesteht ihr, dass er sich als Versager fühle, der kaum Zeit hatte für die Kinder, die er mit verschiedenen Frauen gezeugt hat. Kann er das jetzt an seiner Tochter Lizzie wiedergutmachen, die gerade schwanger ist? Dieses Kind wird sie in London zur Welt bringen, einem Treffen mit Annie steht also nichts im Weg…

Foto: Prokino Filmverleih

Mit seinem Roman „Juliet, Naked“ hat der britische Autor Nick Hornby 2009 ein Gegenstück zu seinem dreizehn Jahre zuvor erschienenen „High Fidelity“ vorgelegt, in dem die Leidenschaft für Musik/Vinyl/Sammeln aus der Fanperspektive eines Mannes gezeigt wurde. Die Perspektive in „Juliet, Naked“ ist die der Frau, die die Marotten ihres Lebensgefährten ertragen muss.

Erzählt mit britischem Understatement legt der amerikanische Regisseur Jesse Peretz (einst Mitglied der Band Lemonheads) hier eine gelungene Indie-Komödie vor, die bei allen komischen Momenten die Zuschauer über verpasste Chancen und falsch gesetzte Prioritäten nachdenken lässt. Ethan Hawke, dessen musikalischen Affinitäten ja nicht nur in seiner jüngsten Regiearbeit „Blaze“ zu spüren waren, gibt den Musiker zwischen innerlicher Zerrissenheit und noch vorhandenem Talent. Hinreißend, wenn er am Klavier den Kinks-Song „Waterloo Sunset“ anstimmt. 

USA/GB 2018, 105 Min., R: Jesse Peretz, D: Ethan Hawke, Rose Byrne, Chris O’Dowd, Start: 15.11.

Juliet, Naked