Körper

Julischka Stengele: Fat Femme Furious

Julischka Stengele aktualisiert in der Galerie im Turm die Kritik am Blick auf Frauenkörper – mit feministisch-queerem Ansatz

Foto: Eric Tschernow
Ansicht der Ausstellung von Julischka Stengele in der Galerie im Turm, 2019. Foto: Eric Tschernow

Wie sehr bestimmt die Gesellschaft, wie Menschen ihre Körper betrachten? Ob sie ihn als schön, gesund, begehrenswert empfinden? Die Wiener Künstlerin Julischka Stengele untersucht mit ihrer multimedialen Ausstellung in der Galerie im Turm den Blick auf sich selbst und das Gefühl, beobachtet zu werden – mal in einer Skulptur, mal in einer Performance. Der weibliche Körper ist dabei nicht mehr als ein Stück nacktes Fleisch: nicht schön, androgyn, durchtrainiert, sondern fett und tierisch.


Auch menschlichen Blicken schreibt Stengele animalischen Charakter zu – bereit, den Körper zu fressen. Für das große Foto einer Frau im Vierfüßlerstand mit Schweinemaske vor dem Gesicht ist eine ganze Wand reserviert. Zur aufwändigen, in Pastelltönen gehaltenen Gestaltung des Raums gehört auch eine Klangarbeit, und um die Ecke hängt ein mit Pommes-­Frites-Muster bedruckter Fat Suit.


Kritik daran, den weiblichen Körper als Objekt zu verstehen, gibt es zwar seit den 70er–Jahren, doch heute trifft uns der Blick von außen nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in privaten Situa­tionen: spätabends zuhause vor dem Computer oder morgens auf dem Smartphone. Influencer*innen in sozialen Medien prägen die Körperideale junger Menschen. Stengele gelingt es, diesen Einfluss zu reflektieren – und sie trifft damit einen Nerv.