Ruhrgebietsdrama

Junges Licht

Coming of Age im Kohlerevier der 60er-Jahre

ZITTY-Bewertung: 4/5
ZITTY-Bewertung: 4/5

Mit den ersten Bildern macht der Film ­bereits deutlich, wie tief hinein ins ­düstere Ruhrgebiet der 60er-Jahre es in den folgenden zwei Stunden geht: ein fülliger Mann ­unter Tage, auf allen Vieren, kurzatmig, mit schwerem Arbeitsgerät, die Kamera wackelt, kaum Licht; etwas später dann das Kommando: „Kohle kommt!“.

Der Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann (Ruhrgebietstrilogie mit „Die ­Abfahrer“ (1978), „Jede Menge Kohle“ (1981) und „Nordkurve“ (1992)) schildert in seiner Adaption eines Romans von Ralf Rothmann einen Sommer des Bergarbeitersohns Julian. Dieser Zwölfjährige hat es nicht leicht: In der Schule gibt’s vom Lehrer auf die Finger, zuhause von der frustrierten Mutter. Mit den Avancen der 15-jährigen Nachbarstochter weiß Julian wenig anzufangen.

Junges Licht

„Junges Licht“ ist Milieustudie, Coming of Age, Kunst- und Heimatfilm in einem. Ein zwischen schwarzweißen und bunten Tableaus und Filmformaten changierendes Werk mit prägnanten Einstellungen: Charly Hübner (wunderbar als Julians ­Vater) mit kohleschwarzem Gesicht, über das sich weiße Milch ergießt. Es sind es vor allem die wenigen versöhnlichen Bilder dieses an Originalschauplätzen in Bottrop, Bochum, Marl und Dortmund gedrehten Films, die nachwirken: Julian und sein Vater beim sonntäglichen Frühstück auf dem Balkon, die rauchenden Schlote des Kohlereviers in pittoreske Ferne gerückt.

D 2016, 122 Min., R: Adolf Winkelmann,D: Oscar Brose, Charly Hübner, Nina Petri
„Junges Licht“ im Kino