Superhelden

Justice League

Anders ist es nicht zu erklären, dass er auch in dieser dritten DC-Comicverfilmung, die er zu verantworten hat, dem blauroten Pfadfinder gedankenschwere Grübeldialoge in den Mund legt und ihn zu einer düsteren, harten Figur macht. Das ist besonders schade, weil ja Henry Cavill ein guter Schauspieler ist, genau wie sein Liebespendant Amy Adams, die wieder die Lois Lane spielt. Aber gemeinsam haben die beiden die erotische Ausstrahlung von Geschwistern. Dazu kommen Ben Affleck, der eindimensionalste Batman aller Zeiten, Ray Fisher als halb-Mensch-halb-Maschine Cyborg (auch er nicht gerade ein Ausbund an Frohsinn) und Ezra Miller, der den etwas nervenden comic relief Flash spielt.

Foto: Warner Bros. Pictures DC Comics

Lediglich Wonder Woman Gal Gadot bringt die Leinwand wieder zumindest zeitweise zum leuchten, ihr zur Seite steht Muskelmann Jason Momoa („Conan“, „Game Of Thrones“) als Aquaman, der sich mit ihr darüber streiten kann, wer denn nun die größeren Möpse hat. Ungefähr zwei Drittel des Films vergehen, bis die Gerechtigkeitsliga zum ersten Mal gemeinsam auftritt.

Die Bedrohung, der dieses dysfunktionale Team gegenüber steht, heißt Steppenwolf, in den Comics nur ein subalterner Mitarbeiter des allmächtigen Darkseid. Seine Aufgabe: Die drei Motherboxen, die vor Jahrtausenden die Amazonen, die Menschheit und die Bewohner von Atlantis unter sich aufgeteilt haben, zu vereinen und damit irgendetwas ganz doll böses zu machen. An seiner Seite steht eine ganze Armee von geflügelten Paradämonen, die jedoch ehr wie ein fieser Mückenschwarm wirken. Handlungstechnisch erinnert das nicht von ungefähr an den „Herr der Ringe“, aber selbst dieser inzwischen 15 Jahre alte Peter-Jackson-Film hatte bessere Computereffekte.

Nun kann man „Justice League“ zugute halten, dass er etwas leichtherziger daher kommt, als die beiden Vorgänger „Man Of Steel“ und „Batman Vs Superman“, dass man zumindest an manchen Stellen die Hand von Joss Whedon spürt. Der Meister der Nerds sprang in der Endphase der Produktion für Snyder ein, als dieser aufgrund einer Familientragödie nicht in der Lage war, den Film fertig zu machen. Und: Ja, Whedon gibt den DC-Superhelden etwas von der Leichtigkeit zurück, die ihnen Snyder permanent verweigert hatte. Aber das macht aus „Justice League“ eben leider keinen durchweg guten Film. Dazu ist das komplette DC-Kino-Universum inzwischen einfach zu sehr out of character.

Einige Beispiele? Welchen Sinn hat die Wonder-Woman-bekämpft-Terroristen-Vorgeschichte in London, die dann im Lauf des Films nie wieder erwähnt wird? Warum muss Bruce Wayne scheinbar wochenlang an der norwegischen Küste entlang reiten (bis er einen Bart hat), um Aquaman zu treffen, wenn er anschließend einfach mit einem Flugzeug abgeholt wird? Superman und Batman sind plötzlich wieder Feinde? Hey, ihre Mütter heißen doch beide Martha, das hat doch beim letzten Treffen eine (leicht irre) Verbindung geschaffen. Und schließlich: Supi war es egal, dass bei seiner Hauerei mit Zod 40.000 Einwohner von Metropolis ins Gras bissen, aber jetzt macht er sich Sorgen um ein Haus mit einer Handvoll Landstreicher in Tschernobyl?

Auf der anderen Seite gibt es jede Menge Fanservice für Comicnerds, etwa in Form der unsterblichen Musiken, die John Williams und Danny Elfman für Superman und Batman komponiert haben und die immer wieder zitiert werden. Batmans Heimatstadt Gotham sieht nicht mehr wie ein hyperrealistisches Chicago aus, sondern wie die stylische Art-Deco-Version der Tim-Burton-Filme. In einer winzigen Szene taucht sogar das Green-Lantern-Corps auf. Auch positiv: „Justice League“ ist sportliche zwei Stunden lang und damit der kürzeste DC-Film bisher. (Sitzenbleiben! Es gibt zwei post-credit-Szenen!)

Aber natürlich wird das DC-Universum irgendwie weiter gehen: Als nächstes ist ein „Aquaman“-Film angekündigt, dann „Shazam!“ und die zweiten Teile von „Suicide Squad“ und „Justice League“. Und dieser Film hat zumindest schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

USA 2017, 121 Min, R: Zack Snyder, D: Henry Cavill, Ben Affleck, Gal Gadot, Ezra Miller, Jason Momoa, Ray Fisher, Amy Adams, J.K. Simmons, Ciarán Hinds

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